Liebe ohne Vorurteil

Was lange währt, wird endlich gut … und wie wir alle wissen, ist zumindest in einem Liebesroman am Ende immer alles gut, sonst ist es noch nicht das Ende …

Ich habe nun also meine romantische Komödie „Liebe ohne Vorurteil“ vollendet und den Roman zum Wettbewerb #newpipertalent eingereicht.

Das Besondere daran ist, dass die Geschichte ab sofort für alle Sweek-Community-Mitglieder zugänglich ist. Wer neugierig auf meinen neuesten Roman ist, der diesmal völlig ohne Erotik auskommt, klickt hier:

Liebe ohne Vorurteil

Worum geht es?

Isabell, eine Mittvierzigerin, findet Befreiung und Glück in den Armen eines jungen Musikers.
Das geht gar nicht!
Meinen nicht nur der eigene Sohn und der Ehemann, sondern auch Kollegen und Freunde. Vor allem die Mutter des Verehrers lässt nichts unversucht, um die aufblühende Liebe zu verhindern. Aber auch die Heldin, von Selbstzweifeln geplagt, bringt sich immer wieder in Schwierigkeiten.

Erst als Isabell sich zu ihren Gefühlen bekennt, wenden sich die Dinge zum Guten.

 

Ich wünsche viel Spaß bei der Lektüre!

Aktuell stehen 32 Kapitel online. Jeden Tag kommt mindestens ein Neues hinzu.

Bis zum Ende der Einreichungphase am 14. März wird der ganze Roman zur Verfügung stehen.

Ich freue mich sehr über Likes und über Follower auf

Liebe ohne Vorurteil

 

 

 

Sinnliche Bilder, rhythmische Klänge und verführerische Worte

Am Freitag, den 19. Januar gab es eine erste öffentliche Lesung aus meinem Debütroman im Fotostudio von Katrin Lübeck in Köln-Humboldt-Gremberg.

Es war ein tolles Event im Zusammenspiel mit dem Musiker Alexander Meyen, der meine Texte mit seinem Spiel bereichert hat.

Für mich war es eine wundervolle Gelegenheit, heitere Kapitel des Buches vorzutragen und zu erleben, wie die Zuhörerschaft darauf reagiert. Das Publikum war begeistert und es gab viel Gelächter. Das Feedback ist für mich eine schöne Motivation, nicht nur weiter zu schreiben, sondern auch ins Licht der Öffentlichkeit zu treten und meine Leser/innen live zu unterhalten.

Herzlichen Dank an Katrin und Alexander, sowie allen, die dabei waren!

Den letzten Teil des Abends haben wir improvisiert und Alexander hat meinen Text spontan mit Musik untermalt. Es war ein herrlicher Spaß. Hier eine Kostprobe davon.

Fotos & Video: Katrin Lübeck

Erzähle etwas über dein neuestes Projekt

Ich las vor einiger Zeit eine Ausschreibung des Chaos-Pony-Verlages.

Es ist eine Anthologie mit Tee-Geschichten geplant.

„Wir freuen uns über eure Kurzgeschichten aus jedem Genre. Comedy, Drama, Romance, Fantasy, Horror … alles ist erlaubt! Denn so vielfältig wie der Tee soll auch die Anthologie werden. Die Geschichten darin soll man bei einer Tasse Tee lesen können. Also in dem Zeitraum, in dem der Tee zieht und getrunken wird.

Darin vorkommen sollte eine beliebige Sorte Tee – und damit meinen wir keine Markennamen, sondern tatsächlich die Art, wie Schwarzer Tee, Grüner Tee, Kamillentee, Vanille-Himbeertee, Lavendeltee oder was immer euch sonst noch einfällt – die (nachgesagte) Wirkung des Tees sollte allerdings zum Genre der Geschichte passen. Schwarzer Tee verspricht zum Beispiel Spannung, während eine Salbei-Lavendel-Mischung eher zum Entspannen und Träumen einlädt.“

Als leidenschaftliche Teetrinkerin fühlte ich mich sofort berufen, eine Geschichte zu schreiben, in der es um meinen Lieblingstee geht. Einen First-Flush-Darjeeling, mit dem ich jeden Morgen in den Tag starte. Da es sich um einen schwarzen Tee handelt, ist es eine spannende Geschichte geworden. Mehr darf ich nicht verraten, da die Auswertung noch läuft.

In der Geschichte beschreibe ich, wie ein perfekter Darjeeling-Tee zubereitet wird. Wer das nachvollziehen möchte, schaut sich gerne das kleine Video an.

Wo kommst du denn wech?

Wo kommze wech?

So fragt, oder besser, frägt man in meiner Heimat. Auch ging man nicht zum Supermarkt, sondern zum Konsum (gesprochen: Konnsumm) und es hieß auch nicht »Sie kauft dort ein«, sondern »Sie käuft …«, sehr zur Irritation meines Deutschlehrers in der dörflichen Grundschule.

Diese Frage also lässt sich auch heute noch auf Plattdeutsch beantworten und lautet folglich: »Ik kum ut Frärpen!« Wobei zu beachten ist, dass ein »r« konsequent als ein »a« ausgesprochen wird, woran sich im Allgemeinen die westfälische Herkunft erkennen lässt. So ging man also am Sonntag in die Kiache und gegessen wurde gerne und viel Wuast.

Das kleine Dörflein nennt sich hochdeutsch Frotheim, was wohl beinhalten soll, dass hier ein »frohes Heim« zu finden wäre. Hier wuchs ich als Kind eines ostpreußischen Flüchtlings und eines westfälischen Eingeborenen auf. Das war, nicht anders als heute, auch in den siebziger Jahren kein Leben auf dem Ponyhof. Frotheim liegt am Rande des großen Torfmoores, einer Hinterlassenschaft der Gletscher der letzten Eiszeit, die bis zum heutigen Weserbergland Fels und Geröll vor sich herschoben und mit ihrem kolossalen Gewicht die norddeutsche Tiefebene planierten. Als die Eisdecke abschmolz, ergaben sich auf der einen Seite – von Frotheim aus gesehen »achtern Berge« – das Kalletal und das Extertal, sowie die Senne um Bielefeld herum. Als letzter Geröllwall blieb das circa 250 Meter hohe Wiehengebirge liegen und an dessen Fuße sammelte sich das Schmelzwasser: ein großes Torfmoor entstand und ist bis heute als Naturschutzgebiet nicht nur den Klapperstörchen eine sommerliche Heimat, sondern zu allen Jahreszeiten einen Spaziergang wert.

Großes Torfmoor, Frotheim, Ostwestfalen

 

Am Rande des Moores haben die Preußen Anfang des 20. Jahrhunderts den Mittellandkanal gebaut, eine vorgegebene Begrenzung meiner kindlichen Ausflüge in die Moorwiesen. Obwohl ich nur wenige hundert Meter vom Moor entfernt aufwuchs, hätte ich es als kleine Stromerin nicht erreichen können, denn der Kanal stellte eine unüberwindbare Hürde dar. Immerhin – in den kleinen Wäldchen zwischen elterlichem Heim und Kanal ließen sich prima Butzen bauen und auf den gefrorenen Wiesen im Winter eislaufen.

Mittellandkanal, Großes Torfmoor, Frotheim, Ostwestfalen

 

Im Sommer hörte ich abends zum Einschlafen das friedvolle Gequake der Frösche und das Tuckern der Kähne auf dem Kanal, ein unvergesslicher Sound meiner Kindheit. Aufgewachsen bin ich auf der »Stelleriege«, das ist die Straße, die sich am Ende an einer Kanalbrücke mit »Hinter den Hörsten« trifft. Die Hörste spielen im gesamten Kreis eine große Rolle, worauf nicht nur mein angeborener Nachname (Horstmeier) und der vieler anderer Einwohner (Hülshorst, Schnakenhorst, Nackenhorst, Horstmann, Bollhorst, Brandhorst, Brinkhorst, Kamphorst, etc.) verweist, sondern sich auch in den Straßennamen (Horstbohlen, Buchhorst, Brüggehorst, Zur rauhen Horst, Horster Straße, Horstweg, Gabelhorst, Sielhorster Straße, Wehmerhorststraße, …) und Ortsnamen (Hüllhorst, Rauhe Horst, Böhnhorst, Brennhorst, Schnathorst, …) widerspiegeln.

Hinter »Hinter den Hörsten« also liegt das große Torfmoor, in dem in den Siebziger Jahren noch die Gleise für die Loren der Torfstecher verliefen. Von Karl Mays Indianergeschichten inspiriert, suchte ich dort den Schatz im Silbersee, denn einer der Moortümpel trug tatsächlich diesen Namen. Es war herrlich, darin baden zu gehen und nur für etwas für die Mutigsten, denn schon wenige Zentimeter unter der Oberfläche war vom eigenen Arm oder Bein nichts mehr zu erkennen, da man in ein tiefschwarzes Nass einstieg. Die Beine versanken knietief in einem samtigen, unergründlichen Schlick und die Geschichten, die über Moorleichen kursierten, verliehen dem Badespaß einen besonderen Thrill. Die Haut nach dem Umsonst- und Draußen-Bade fühlte sich besonders zart und gesund an, ganz anders als nach einem Ausflug ins nahe, aber chlorreiche Amtsfreibad Gehlenbeck, für das auch noch eine Mark fünfzig zu berappen war.

 

So beschaulich die Gegend auch bis heute geblieben ist, so wenig Stimulanz bot sie den Heranwachsenden. Hätte ich nicht lesen gelernt und mir auf diesem Wege ferne, phantastische Welten erschlossen, ich wäre verkümmert wie ein Sonnentau ohne Moorboden. Zu den Heldinnen meiner Kindheit gehörte an vorderster Stelle Pippi Langstrumpf, welche, im Gegensatz zu mir, ein selbstbestimmtes Leben führen durfte, sich nicht um Konventionen kümmerte und sich weder von Polizisten noch von der Jugendamts-Prüsseliese beeindrucken ließ. Ich erinnere mich, wie es meinen Vater erzürnte, als sie im Kinderprogramm des Schwarz-Weiß-Fernsehers in einer Szene in der Nase bohrte.

Die Bücher also erschlossen mir neue Welten, für die Lektüre allerdings hatte ich manches Mal einen hohen Preis zu zahlen, denn wenn ich beim heimlichen Lesen unter der Bettdecke erwischt wurde, setzte es Ohrfeigen oder Schlimmeres. Ich trotzte der Bildungsferne meiner Eltern erfolgreich und erkämpfte mir den Weg über den Realschulabschluss bis zum Abitur, auch wenn mein Vater der Meinung war, das sei absolut unnötig, denn schließlich sei ich ein Mädchen und würde infolgedessen sowieso heiraten. Wozu also noch drei Jahre durchfüttern bis zum Abi, anstatt arbeiten zu gehen und Geld zu verdienen?

Während dieser drei Jahre in der Oberstufe des Gymnasiums in Espelkamp lernte ich, mir Inhalte selbstständig zu erarbeiten. Was als Vorbereitung für das Studium gedacht war, ist bis heute die Grundlage dafür, neue Projekte zu entwickeln, z.B. das Schreiben eines Romans zu erlernen.

Heute ist mein Vater stolz auf das, was seine Töchter und Enkelkinder, nicht zuletzt aufgrund ihrer Bildung, erreicht haben.

Reif für die Insel?

Seitdem ich in Köln wohne, genieße ich die Annehmlichkeiten des Großstadtlebens. Lesungen, Konzerte oder Tanzveranstaltungen finden sozusagen  vor der Haustür statt, im Sommer auch gerne Open-Air im Park oder am Rhein. Doch besonders während der grauen, dunklen Wintermonate ist die große Stadt wenig verlockend, vor die Tür zu gehen. Was gäbe es Schöneres, als schnell und einfach der Kälte zu entfliehen? Im Novemeber 2016 habe ich es ausprobiert und mich mit 7 anderen Schreiberlingen für eine Woche auf Mallorca niedergelassen, um zu schreiben. Es war großartig, nach dem Frühstück in der Sonne zu sitzen und die wohltuende Stille der Insel zu genießen.

Auf der Suche nach dem besten Urlaubsanbieter bin ich auf die Seite Happy-Life-World gestoßen und möchte sie gerne vorstellen. Sie bietet nicht nur die günstigsten Angebote, egal ob du nur einen Flug buchen möchtest oder einen Abenteuer-Trip planst. Es ist für jede/n das passende Angebot dabei. Das Beste aber ist, dass du nach dem Urlaub Geld zurück bekommst. Garantiert und ohne faule Tricks – keine Bonuspunkte, sondern Cash auf dein Konto. Wie das geht, siehst du im Video.

 

Von mir gibt es eine klare Empfehlung dafür, weil es ein Angebot ist, von dem alle profitieren – ohne Haken und ohne Hintertürchen! Sei dabei und genieße den nächsten Urlaub in dem guten Gefühl, mehr als nur ein Schnäppchen gebucht zu haben. 🙂

Hast du das alles selbst erlebt?

Das ist eine Frage, die wohl jedem Schreiberling schon gestellt wurde.

Maxim Gorki wusste darauf die richtige Antwort: »Man muss nicht selbst in der Pfanne gelegen haben, um über ein Schnitzel zu schreiben.«

Wenn jedoch die geneigte Leserin das Gefühl bekäme, die Autorin habe keine rechte Ahnung von dem, was sie erzählt, dann hieße das, dilettantische Arbeit geliefert zu haben. Deswegen gehört zu jeder guten Geschichte eine gründliche Recherche, die durchaus nicht nur darin besteht, mal eben danach gegoogelt zu haben.
Tatsächlich sind meine Geschichten frei erfunden. Die Episoden haben sich, so wie sie geschrieben sind, nur in meiner Phantasie abgespielt. Dennoch war es für die detailreiche und sinnliche Schilderung unerlässlich, auch mal einen realen Fuß in das eine oder andere Etablissement zu setzen.

Ich erinnere mich, wie ich alleine an einem Tisch im Gezeiten saß, den Schreibblock vor mir, den Stift in der Hand und meinen Blick durch den Raum schweifen ließ. Die Frau hinter der Theke konnte sich keinen Reim darauf machen, was ich da treibe und ließ mich kaum aus den Augen. Auf diese Weise bekam ich immer prompt ein Kölsch geliefert, wenn es mich danach verlangte und durfte sogar dazu noch rauchen, während ich im Geiste die Dragkings vor mir sah, wie sie, Saskia im Schlepptau, durch die Tür gestürmt kamen.
Ich habe dem Gezeiten, der letzten Lesbenkneipe in Köln, in meinem Buch ein Denkmal gesetzt. Wer wissen möchte, wie es wirklich darin aussah, dem empfehle ich das Video am Ende dieses Beitrages.

Und wenn mir der reale Ort zu wenig Glamour bietet, dann habe ich als Autorin alle Möglichkeiten, die Ausstattung so zu erweitern, bis die Einrichtung perfekt in meine Szene passt.
Die einzelnen Figuren fußen auf der genauen Beobachtung der Menschen, mit denen ich zu tun habe. Dabei kommt mir jahrelange Übung als Zeichnerin und Malerin sehr gelegen.
Auch entspricht es meinem Naturell, den Menschen gerne zuzuhören. Besonders originelle Gesprächsschnipsel oder kleine Begebenheiten aus dem Alltag stricke ich dann gerne noch ein wenig zurecht und baue sie in die Handlung ein.
Am Ende ergibt sich ein Konglomerat aus Erlebtem und Phantastischem. Aus dieser Kombination besteht ein Roman: das Beste aus beiden Welten vereint in einer Geschichte, die vergessen lässt, dass sie doch »nur« erfunden ist.

Heute wollen wir ein Zitat aus deinem ersten Manuskript lesen!

Kapitel 13 aus „Sie kann auch anders“

Lale saß auf dem Sofa, das Bein hochgelegt und betrachtete ihren angeschwollenen Fuß.
„Ruhig stellen”, hatte der Arzt gesagt. Zum Glück hatte die Untersuchung ergeben, dass nichts ernsthaft verletzt war.
Es war angenehm, einmal auszuspannen. Wenn sie den Fuß nicht belastete, schmerzte es auch nicht und sie hatte den Kopf frei, den Abend auf sich wirken zu lassen.
Die Striemen an ihrem Po hielten ihre Erinnerungen wach. Bei Tageslicht betrachtet kam ihr die ganze Geschichte unglaublich vor. Enzo war immer für eine Überraschung gut. Das musste sie ihm lassen. War sie das wirklich gewesen, die sich so hatte behandeln lassen? Wie war das möglich, das es ihr solche Lust bereitet hatte? Hatte es mit Demütigung zu tun? Fühlte sie sich gedemütigt? Entwickelte sie sich gar zu einer Masochistin? Was bedeutete das alles? Es klingelte an der Tür. Sie schreckte auf. Sie nahm die Krücken, humpelte zur Tür und öffnete sie. Yvi kam die Treppe herauf.
„Hallo Süße, ich war in der Werkstatt und Frank erzählte mir, du seist verletzt. Da dachte ich mir, ich sehe mal nach dem Rechten.”
„Es ist aber der Linke.”
„Wenn du schon wieder scherzen kannst, scheint es ja nicht so schlimm zu sein.”
„Der Arzt meint, mindestens zwei Wochen Schonung. Der Knöchel ist verstaucht..”
Yvi forschte in Lales Zügen. „Du siehst nicht so aus, als ginge es dir schlecht”, stellte sie fest.
Lale musste grinsen. „Nein, das kann ich nicht behaupten.”
Yvi deutete auf Lales Fuß. „Wie ist das überhaupt passiert?”
„Ich bin gestern beim Joggen im Park in so ein Scheißloch getreten und umgeknickt.”
Diese Variante hatte sie dem Arzt ebenfalls aufgetischt. Und Frank natürlich auch. Der wäre außer sich gewesen, wenn er gehört hätte, dass ein Kerl dabei gewesen war und nichts unternommen hatte, um Lale zu beschützen. Enzo wäre für alle Zeiten bei ihm unten durch gewesen. Denn Frank war der perfekte Retter. Er hätte niemals zugelassen, dass Lale neben ihm den Halt verlor.
„Ouh, du Arme!”, sagte Yvi. “Soll ich uns zwei Hübschen einen Tee kochen?”
„Bitte einen Eistee. Der steht schon im Kühlschrank. Du musst nur noch Eiswürfel hineintun.”
Yvi ging hinüber in die Küche und begann zu hantieren. Lale streckte sich auf dem Sofa aus und legte sich auf die Seite, um ihren Po zu entlasten. „Es ist angenehm, mal ein bisschen Zeit zu haben, obwohl ich Frank versprochen habe, mich um die Buchführung zu kümmern.”
„Dann kannst du also diese Woche die Sekretärin geben?”
„Genau. Das ist auch dringend nötig. Es hat sich mal wieder eine Menge Papierkram angesammelt.”
Es klingelte wieder an der Tür.
„Das ist ja wie im Taubenschlag hier.” sagte Lale. Das wird doch wohl nicht…?
„Bleib liegen, ich geh schon!”, rief Yvi und eilte zur Tür.
Lale wartete nervös. Zum ersten Mal wünschte sie, dass es nicht Enzo sei. Nicht auszudenken, was Yvi dazu sagen würde.
Yvi kam wieder herein und hielt einen großen Strauß roter Rosen in der Hand.
„Guck dir das an!”, sagte sie begeistert. “Mir scheint, du hast einen heimlichen Verehrer!”
Lale nahm die Blumen entgegen, öffnete den Brief, der daran baumelte und strahlte. Neugierig nahm ihr Yvi die Karte aus der Hand und las.

Gute Besserung und vielen Dank für den schönen Abend,
der sich trotz aller Widrigkeiten als sehr berauschend entpuppte.

Dein Dich verehrender E.

„Lale!”, sagte Yvi in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete. „Lale, du verschweigst mir etwas.” Sie musterte ihre Freundin kurz, ging schnell in die Küche und ließ die Eiswürfel in die Karaffe plumpsen. „Ich will alles hören, keine Auslassungen bitte! Mit wem warst du joggen? Wer schickt dir rote Rosen?“ Sie fuchtelte mit dem Eislöffel in der Gegend herum. „Der Absender ist eindeutig männlich. Hast du etwa ein Techtelmechtel mit einem Kerl angefangen? Wie heißt er? Wo wohnt er? Was macht er? Kenne ich ihn? Ich will alle Einzelheiten!” Sie brachte eine Vase mit, platzierte die Karaffe samt Gläsern auf den Tisch und sich selbst neben Lale. „Also bitte. Ich höre.”
Lale hantierte umständlich mit den Rosen und der Vase herum. Schließlich räusperte sie sich und holte tief Luft. „Ich … “ setzte Lale an.
Aber es war zu spät. Sie konnte ihr nichts vormachen. Vor einer echten Freundin gibt es einfach keine Geheimnisse.
„Nein!” Yvi durchzuckte der Moment der Erkenntnis. Sie saß kerzengerade. „Nein!“, rief sie noch einmal.
„Doch …”, sagte Lale kleinlaut, hielt den Kopf gesenkt und fummelte an einer Rose herum.
„Nein, sag, dass es nicht wahr ist!“ Yvi starrte ihre Freundin an.
„Nicht Enzo Gantenbein!” Yvi rüttelte Lale an der Schulter.
„Doch.”
„Ich fasse es nicht. Seit wann?”
„Seit der Vernissage.”
„Was? Oh, mein Gott …” Yvi sackte bleich in die Sofalehne und fasste sich an die Stirn. Sie röchelte.
Lale hob trotzig den Kopf. „Was denn?”
Yvi rückte nahe an Lale heran und legte einen Arm um sie. „Jetzt hör mir mal zu.“ Sie streichelte Lale fürsorglich den Rücken. „Hör mir gut zu! Ich war gestern in der Galerie, weil ich noch was zu besprechen hatte. Ich stand also da und plauderte mit Herrn Bosselt und dem netten Herrn Gantenbein, als sich die Tür öffnete und eine Dame erschien. Vornehm in einem Business-Kostüm stelzte sie herein und steuerte direkt auf Enzo Gantenbein zu.”
„Ja und?”
„Sie war dort, um ihn zu einem gemeinsamen Termin abzuholen, weil sie mit seinem Auto unterwegs war.”
Lale runzelte die Stirn. „ … mit seinem Auto?”, echote sie.
Yvi betonte jede Silbe einzeln: „Ja, genau. Denn diese Dame heißt Frau Gantenbein.”
„Was?!” Lales Magen drehte sich anderthalb mal um sich selbst. Sie rang nach Luft. Yvi schenkte Eistee ein und schob ihr das Glas hin.
„So, meine liebe Freundin, nun weißt du etwas mehr über deinen glühenden Verehrer. Diese Kleinigkeit hat er dir natürlich nicht auf die Nase gebunden, stimmt’s?”
Lale starrte verständnislos in ihr Glas, als stünden darin die Antworten auf all die Fragen geschrieben, die sich in ihrem Hirn überschlugen. „Ich … Was? Wie, wie kann er nur …?”
„Natürlich kann er. Ganz einfach kann er. Du bist an einen stinknormalen verheirateten Macho geraten, der sich ein bisschen Spaß nebenbei gönnt. Nichts weiter. Eine ganz alte Geschichte.”
„Aber …”
„Kein aber. Ausgerechnet du fällst auf so einen alten Trick herein. Du solltest dir wirklich überlegen, ob du nicht etwas Besseres verdient hast.”
„Er wirkt so …” Lale suchte nach einem passenden Wort. „… so unverheiratet.”
Yvi verdrehte die Augen und stöhnte.
„Ganz und gar unverheiratet!” beharrte Lale. „Er spricht immer nur von sich. Äh … Ich meine, er spricht im Singular, niemals im Plural von sich.”
„Was hast du denn erwartet? Dass er dir von seiner Angetrauten vorschwärmt oder seine Eheprobleme auftischt? Ich rate dir dringend, bevor sich das auswächst: Beende diese Affäre, so lange es noch eine ist! Oder willst du als Zweitfrau eines alternden Gockels deine besten Jahre verbringen?” Yvi sah Lale eindringlich an, die immer noch fassungslos ihren Eistee anstarrte.
„Hat es dich schon so schwer erwischt? Das kann doch nicht sein! Frau, schalt dein Hirn ein!”
„Ich fürchte, der ordnungsgemäße Gebrauch meines Hirns ist mir vorübergehend abhanden gekommen.”
Yvi holte tief Luft. „Dann wird es allerhöchste Zeit, es wieder in Gang zu setzen. Er spielt mit dir und deinen Gefühlen. Das solltest du dir nicht gefallen lassen. Du kannst dir an einer Hand abzählen, wie die Geschichte ausgeht. Laut Statistik bleiben 92% aller verheirateten Männer bei ihren Frauen. Es sei denn, die Frau verlässt ihn, dann gibt es eine Chance, die aber verschwindend gering ist.”
In Lales Kopf drehte sich alles. „Darum geht es ja gar nicht. Ich will ihn nicht heiraten. Ich wollte auch nur eine nette Affäre, nichts weiter.”
„In Köln leben 1 Million Menschen, die Hälfte davon männlich. Ziehen wir Greise und Kinder ab, bleiben 300 000 Exemplare übrig, die zur Auswahl stehen. Und du suchst dir ausgerechnet so einen Möchte-gern-Playboy.”
Lale gluckste. „Wie viele von den 300 000 sind verheiratet?”
Yvi stemmte die Hände in die Hüfte. „Da bleiben genügend Singles, Geschiedene und getrennt Lebende zur Auswahl. Du, meine Liebe, hast es jedenfalls nicht verdient, ein Dasein als heimliche Zweitfrau zu fristen. Verschenk doch nicht dein Leben an diesen … Lügner.”
„Das hatte ich auch gar nicht vor.” Lale machte eine hilflose Geste. „Ich … muss das erst mal sacken lassen.” Sie angelte sich mit zittrigen Fingern eine Kippe und steckte sie an.
Yvi sah auf die Uhr. „Ich muss jetzt leider los. Denk drüber nach. Wenn du mich brauchst, ruf mich einfach an, okay?” Sie umarmte ihre Freundin herzlich. „Du hast ja jetzt ein bisschen Zeit, das auf dich wirken zu lassen.“, sagte sie mit Fingerzeig auf Lales Fuß. „Ich rate dir noch einmal dringend: Vergiss diesen Kerl. Der bringt nur Unglück.”

Was war dein bisher bestes Erlebnis im Zusammenhang mit dem Schreiben?

1. Zunächst war es der Moment, in dem ich mein Buch zum allererstem Mal in den Händen hielt, damals noch mit dem ersten Cover. Das war ein tolles Erlebnis, die Arbeit so vieler Monate konkret nicht nur zu sehen, sondern auch anfassen und darin blättern zu können.
2. Auf der Geburtstagsparty einer Freundin ergab sich eine kleine, improvisierte Lesung. Es hat viel Spaß gemacht, ein unmittelbares Feedback zu bekommen und die Reaktionen meiner Zuhörer*innen direkt zu hören.

 

Zeig uns ein Zitat aus deinem aktuellen Manuskript

Er hing an ihr wie ein zu groß geratenes Klammeräffchen. In guten wie in schlechten Zeiten hatte es damals geheißen. Da hatte sie noch keinen Schimmer gehabt, was damit wohl gemeint sein könnte.
»Vorne an der Straße gibt es einen Taxistand. Meinst du, wir schaffen es bis dahin?«
»Wir sind schon lange nicht mehr gemeinsam Taxi gefahren.«
»Das wird ganz großes Kino, ich bin sicher.« Sie fasste seinen Arm mit der Linken, schob die Andere um seine Hüfte und eierte los.
Er kicherte. »So hattest du dir einen Spaziergang sicher nicht vorgestellt.«
»Ich weiß nicht, was daran witzig sein soll.« Seit Jahren versuchte sie, ihn zu einem Spaziergang zu animieren – ohne Erfolg. Nun schlurften sie durch den Park und gaben dabei ein Bild des Jammers ab und er fand es lustig. Es war zum Heulen.
Am Taxistand angekommen, klopfte sie gegen die Scheibe des Beifahrerfensters. Der Taxifahrer sprang aus seinem Wagen und betrachtete das ungewöhnliche Pärchen. Isabell war adrett gekleidet, aber an Thomas‘ zerschlissener Kleidung klebten trockene Blätter und Erdkrümel, die Haare standen zu Berge und er guckte scheel aus angeschwollenen Lidern.
»Wat is mit dem dann? Wenn der besoffen is, nehm‘ isch den aber nit mit!«, herrschte er Isabell an. »Der kotzt mir doch alles voll!«
»Das ist mein Mann. Der ist nicht besoffen, der ist über eine Harke gestürzt.«
»Ich bin bestürzt, weil ich gestürzt bin«, erläuterte Thomas und grinste. »Aber jetzt hat meine Frau mich unterstützt, und ich brauche nicht mehr bestürzt zu sein, weil sie mir eine Stütze ist.«
Dieser Vortrag verbesserte die Lage nicht.
»Und was ist mit dem Trumm da?« Der Taxifahrer zeigte auf Scooter. »Soll dat etwa auch mit? Da krieg ich aber Angst vor so ne jroße Hungk«, gab er zu bedenken.
»Wenn Sie so freundlich wären«, sagte Isabell. »Wir wohnen nicht so weit weg.«
»Wat? Für Fünfeurofuffzich lass ich mir doch nit mein Auto vollschmuddeln! Der Hungk passt hier gar nit rein.« Er verschränkte die Arme vor der Brust.
Isabell seufzte und setzte Thomas auf einer Bank ab. »Guter Mann, muss ich Sie erst darüber aufklären, dass ein Hund unter die Beförderungspflicht fällt? Rufen Sie einen anderen Wagen, wenn Ihnen Ihr Auto zu klein erscheint.«
Der Taxifahrer stellte eine Verbindung mit der Zentrale her. »Hier is ene Krawallmöhn mit ene bestusste Kerl und ene Hungk, so jroß wie ene Kalv. Könnt ihr ne Kombi schicken?« Er legte auf und sah Isabell an. »Da kütt gleich ene Kombiwagen, da können Se dann mitfahren.«
»Dem hast du‘s aber gezeigt«, sagte Thomas.
Isabell setzte sich neben ihn, verdrehte die Augen und seufzte tief.
Thomas sah sie an. »Das finde ich gut, wenn du auch mal mit anderen herumzankst.«
»Wie gehts deinem Kopf?«
Er befühlte seine Beule. »Aua. Ist ein ziemliches Hörnchen.« Er beschnüffelte seine Hände. »Wieso rieche ich eigentlich, als wäre ich in einen Parfüm-Tank gefallen?«
»Chanel Nummer Fünf war die einzig verfügbare Flüssigkeit, mit der ich dir die Stirn kühlen konnte. Ich schleppe keine Eisbeutel mit mir herum, weil ich ständig damit rechne, dass mein Mann bewusstlos im Park herumliegt.«
Er wedelte mit der Hand. »Hach, ich dufte wie ein Maiglöckchen.«

Foto: Marius Görgens