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Er hing an ihr wie ein zu groß geratenes Klammeräffchen. In guten wie in schlechten Zeiten hatte es damals geheißen. Da hatte sie noch keinen Schimmer gehabt, was damit wohl gemeint sein könnte.
»Vorne an der Straße gibt es einen Taxistand. Meinst du, wir schaffen es bis dahin?«
»Wir sind schon lange nicht mehr gemeinsam Taxi gefahren.«
»Das wird ganz großes Kino, ich bin sicher.« Sie fasste seinen Arm mit der Linken, schob die Andere um seine Hüfte und eierte los.
Er kicherte. »So hattest du dir einen Spaziergang sicher nicht vorgestellt.«
»Ich weiß nicht, was daran witzig sein soll.« Seit Jahren versuchte sie, ihn zu einem Spaziergang zu animieren – ohne Erfolg. Nun schlurften sie durch den Park und gaben dabei ein Bild des Jammers ab und er fand es lustig. Es war zum Heulen.
Am Taxistand angekommen, klopfte sie gegen die Scheibe des Beifahrerfensters. Der Taxifahrer sprang aus seinem Wagen und betrachtete das ungewöhnliche Pärchen. Isabell war adrett gekleidet, aber an Thomas‘ zerschlissener Kleidung klebten trockene Blätter und Erdkrümel, die Haare standen zu Berge und er guckte scheel aus angeschwollenen Lidern.
»Wat is mit dem dann? Wenn der besoffen is, nehm‘ isch den aber nit mit!«, herrschte er Isabell an. »Der kotzt mir doch alles voll!«
»Das ist mein Mann. Der ist nicht besoffen, der ist über eine Harke gestürzt.«
»Ich bin bestürzt, weil ich gestürzt bin«, erläuterte Thomas und grinste. »Aber jetzt hat meine Frau mich unterstützt, und ich brauche nicht mehr bestürzt zu sein, weil sie mir eine Stütze ist.«
Dieser Vortrag verbesserte die Lage nicht.
»Und was ist mit dem Trumm da?« Der Taxifahrer zeigte auf Scooter. »Soll dat etwa auch mit? Da krieg ich aber Angst vor so ne jroße Hungk«, gab er zu bedenken.
»Wenn Sie so freundlich wären«, sagte Isabell. »Wir wohnen nicht so weit weg.«
»Wat? Für Fünfeurofuffzich lass ich mir doch nit mein Auto vollschmuddeln! Der Hungk passt hier gar nit rein.« Er verschränkte die Arme vor der Brust.
Isabell seufzte und setzte Thomas auf einer Bank ab. »Guter Mann, muss ich Sie erst darüber aufklären, dass ein Hund unter die Beförderungspflicht fällt? Rufen Sie einen anderen Wagen, wenn Ihnen Ihr Auto zu klein erscheint.«
Der Taxifahrer stellte eine Verbindung mit der Zentrale her. »Hier is ene Krawallmöhn mit ene bestusste Kerl und ene Hungk, so jroß wie ene Kalv. Könnt ihr ne Kombi schicken?« Er legte auf und sah Isabell an. »Da kütt gleich ene Kombiwagen, da können Se dann mitfahren.«
»Dem hast du‘s aber gezeigt«, sagte Thomas.
Isabell setzte sich neben ihn, verdrehte die Augen und seufzte tief.
Thomas sah sie an. »Das finde ich gut, wenn du auch mal mit anderen herumzankst.«
»Wie gehts deinem Kopf?«
Er befühlte seine Beule. »Aua. Ist ein ziemliches Hörnchen.« Er beschnüffelte seine Hände. »Wieso rieche ich eigentlich, als wäre ich in einen Parfüm-Tank gefallen?«
»Chanel Nummer Fünf war die einzig verfügbare Flüssigkeit, mit der ich dir die Stirn kühlen konnte. Ich schleppe keine Eisbeutel mit mir herum, weil ich ständig damit rechne, dass mein Mann bewusstlos im Park herumliegt.«
Er wedelte mit der Hand. »Hach, ich dufte wie ein Maiglöckchen.«

Foto: Marius Görgens

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