Hast du das alles selbst erlebt?

Das ist eine Frage, die wohl jedem Schreiberling schon gestellt wurde.

Maxim Gorki wusste darauf die richtige Antwort: »Man muss nicht selbst in der Pfanne gelegen haben, um über ein Schnitzel zu schreiben.«

Wenn jedoch die geneigte Leserin das Gefühl bekäme, die Autorin habe keine rechte Ahnung von dem, was sie erzählt, dann hieße das, dilettantische Arbeit geliefert zu haben. Deswegen gehört zu jeder guten Geschichte eine gründliche Recherche, die durchaus nicht nur darin besteht, mal eben danach gegoogelt zu haben.
Tatsächlich sind meine Geschichten frei erfunden. Die Episoden haben sich, so wie sie geschrieben sind, nur in meiner Phantasie abgespielt. Dennoch war es für die detailreiche und sinnliche Schilderung unerlässlich, auch mal einen realen Fuß in das eine oder andere Etablissement zu setzen.

Ich erinnere mich, wie ich alleine an einem Tisch im Gezeiten saß, den Schreibblock vor mir, den Stift in der Hand und meinen Blick durch den Raum schweifen ließ. Die Frau hinter der Theke konnte sich keinen Reim darauf machen, was ich da treibe und ließ mich kaum aus den Augen. Auf diese Weise bekam ich immer prompt ein Kölsch geliefert, wenn es mich danach verlangte und durfte sogar dazu noch rauchen, während ich im Geiste die Dragkings vor mir sah, wie sie, Saskia im Schlepptau, durch die Tür gestürmt kamen.
Ich habe dem Gezeiten, der letzten Lesbenkneipe in Köln, in meinem Buch ein Denkmal gesetzt. Wer wissen möchte, wie es wirklich darin aussah, dem empfehle ich das Video am Ende dieses Beitrages.

Und wenn mir der reale Ort zu wenig Glamour bietet, dann habe ich als Autorin alle Möglichkeiten, die Ausstattung so zu erweitern, bis die Einrichtung perfekt in meine Szene passt.
Die einzelnen Figuren fußen auf der genauen Beobachtung der Menschen, mit denen ich zu tun habe. Dabei kommt mir jahrelange Übung als Zeichnerin und Malerin sehr gelegen.
Auch entspricht es meinem Naturell, den Menschen gerne zuzuhören. Besonders originelle Gesprächsschnipsel oder kleine Begebenheiten aus dem Alltag stricke ich dann gerne noch ein wenig zurecht und baue sie in die Handlung ein.
Am Ende ergibt sich ein Konglomerat aus Erlebtem und Phantastischem. Aus dieser Kombination besteht ein Roman: das Beste aus beiden Welten vereint in einer Geschichte, die vergessen lässt, dass sie doch »nur« erfunden ist.