Isabell Schmidt: Zwanzig Jahre verheiratet und so gut wie tot?

Um die Wartezeit bis zum Erscheinungstermin zu überbrücken, haben meine Lektorin und ich ein paar Teaser ausgeheckt. Ich zeichne für den illustrativen Teil verantwortlich.

Heute ist es an der Zeit, die wunderbare Michaela Stadelmann zu Wort kommen zu lassen.

Viel Vergnügen mit der kleinen Serie

Lektorin ohne Vorurteil

Isabell, Mitte vierzig, hat sich eigentlich ganz gut in ihrem Leben eingerichtet. Sie ist verheiratet, arbeitet in einem spannenden Beruf, und Sohn Marc bietet auch keinen Anlass zur Klage. Nur mit ihrem Mann Thomas, nun ja, da läuft es eher auf eine Wohngemeinschaft als auf eine Ehe hinaus. Seit er vor fast zwei Jahren einen schweren Unfall hatte, verkriecht er sich in seinem Reich, dem heimischen Keller. Er kommt nur noch zum Essen und Schlafen nach oben, aber eine Ehe – nein, die führen er und Isabell definitiv nicht mehr.

Isabell, die treue Seele, hält trotzdem zu ihm, bis ihr der wesentlich jüngere Dario sprichwörtlich vor die Füße fällt. Und plötzlich stellt Isabell ihr komplettes Eheleben infrage.

Was ich übrigens nicht nur wegen Lucia Schwarzens wunderbarem Liebesroman völlig in Ordnung finde. Denn mit 40 fängt das Leben erst an!

 

Liebe ohne Vorurteil, Print:  328 Seiten

Liebe ohne Vorurteil, E-Book: 88386 Wörter, je nach Reader ca. 486 Seiten

Galoppel, Galoppel oder wie das blaue Einhorn ins 19. Kapitel kam

Meine Hauptfigur Isabell ist Redakteurin in einer Firma, die Beiträge für’s Fernsehen realisiert. Damit habe ich ihr den Beruf einer Freundin angedichtet, die leider (viel zu früh) verstorben ist. Während ich an meiner Story schrieb, hätte ich noch 1000 Fragen an sie gehabt, aber traurigerweise war das nicht mehr möglich. Also kramte ich in meinem Gedächtnis nach Anekdoten, die sie mir, üblicherweise bei einem Cocktail, erzählt hat. Darüber hinaus befragte ich Menschen, die in einem Büro arbeiten, über ihren Berufsalltag aus. 

Warum ich das tat? 

Mir selbst ist die Bürowelt fern, denn ich arbeite »im wahren Leben« zwar auch (hin und wieder) für’s Fernsehen, aber auf der anderen Seite der Medaille. Dort wird nicht herumgesessen, sondern handfest zugepackt. Man läuft mindestens 10 Kilometer am Tag, steigt auf Leitern oder kniet am Boden und ist dankbar für die halbe Stunde Mittagspause, in der man sitzen darf. Neben dem unweigerlichen Fitness-Effekt, den solche Arbeit mit sich bringt, blickt man zu Feierabend zufrieden aufs Tagwerk und meist kann es sich sehen lassen! Anschließend ist es üblich und oft auch nötig, nach der Arbeit zu duschen und nicht davor, wie bei den Büromenschen. 😉

Was ist das für ein Job, bei dem mein Outfit für verwunderte Blicke sorgt, auch wenn die Arbeitskleidung frisch gewaschen ist?

Wenn ich in der Straßenbahn sitze, kommt es vor, dass kleine Mädchen mich erstaunt betrachten und sich angesichts der vielen bunten Flecken auf meiner Hose ratsuchend an ihre Mutter wenden. Manchmal mache ich mir einen Spaß daraus und lasse die Leute raten. Von Bautechnikerin bis Dachdeckerin wurde schon alles geboten. Wenn ich dann sage, ich bin Künstlerin, ernte ich noch erstauntere Blicke. Erst recht mit der Präzision Theatermalerin können viele nichts anfangen.

Das Bühnenbild ist meine Welt. Ich gestalte den sichtbaren Hintergrund, in dem die Figuren sich entfalten. Kein Film und keine Serie kommen ohne ein Szenenbild aus. Dafür braucht es Teams, die die Bühne oder das Set bauen. Die rohen Holzwände dann in eine zauberhafte Illusion zu verwandeln, ist der Job der Theater- oder auch Kunstmaler/Scenic Painter.

Wer die Kölner Fernseh-Szene verfolgt, der weiß, dass man ums blaue Einhorn nicht herumkommt. In den Hochzeiten des Privatfernsehens seilte sich einst sogar ein bekannter Moderator aus einem Hubschrauber ab, um ein Mal auf dem blauen Einhorn zu reiten. 

Ein Kollege schließlich brachte mich erst zum Lachen und dann auf die Idee. 

 

Da ich selbst hin und wieder eine Kippe lang dem Einhorn Gesellschaft leistete, kam ich mit ihm ins Gespräch. Es erzählte mir, dass es seinen Zwillingsbruder beneidet, der sich stolz über dem Coloneum aufbäumt. Ich versprach, dafür zu sorgen, dass es nicht vergessen wird. 

Im Kapitel „Mich leimt keiner“ verbinde ich Isabells Welt mit meinem realen Arbeitsalltag, in dem ich sie hinter die Kulissen einer Fernsehshow führe. Wen sie dort trifft und was dann passiert, verrate ich natürlich nicht. 

Fotos: Ralf Leclaire/Lucia Schwarz

Das Mysterium des Lektorates oder wie ich erzählen lernte

 

Ich erinnere mich an den Schreibworkshop im November 2016 auf Mallorca, bei dem ich zum ersten Mal auf Autorinnen traf, die schon mehrere Bücher veröffentlicht hatten. Ich fragte ihnen Löcher in den Bauch, unter anderem was es denn mit so einem Lektorat auf sich hätte und wie das vor sich gehe. Zur Antwort bekam ich einen tiefen, mysteriösen Blick und ein wissendes Lächeln. »Du wirst schon sehen!«

Im Frühjahr 2018 war es dann soweit. Nachdem ich mein Manuskript erfolglos bei einem Wettbewerb eingereicht hatte, wusste ich, es führt kein Weg mehr daran vorbei, mir eine versierte Lektorin an meine Seite zu holen. Dank Mattings Wochenschau stieß ich auf ein Interview mit Michaela Stadelmann. 

Ich beschloss, sie um ein Schnupperlektorrat zu ersuchen und entflammte, als ich die ersten 5 Kapitel zurückbekam. Immerhin sah ich feuerrot, und zwar seitenweise. Gleich die ersten fünf Sätze, an denen ich soo lange gefeilt hatte, (schließlich ist der erste Absatz der allerwichtigste, das steht in jedem Schreibratgeber,) flogen mir um die Ohren. Ich hatte 5 Mal hintereinander denselben Satzbau verwendet, ohne es zu bemerken. Endlich gab es jemanden, der mich mit der Nase drauf schubste!

Nach kurzer Zeit vertraute ich ihr das gesamte Manuskript an und dann dämmerte mir, als ich es wiedersah: Das wird der schreibintensivste Sommer meines Lebens! 

Ich würde die Geschichte zum großen Teil noch einmal neu schreiben müssen. Doch ich war höchst motiviert, denn ich war hungrig. Ich wollte lernen, wie das funktioniert, eine gut erzählte Geschichte zu schreiben und stürzte mich in die Arbeit. Frau Stadelmanns trockene Kommentare brachten mich oft zum Lachen und die Nachbarn auf den anderen Balkonen mögen sich gewundert haben, was ich wohl ständig aus heiterem Himmel zu giggeln hatte. Ich nutzte jede freie Minute. Musste ich früh aufstehen, um Geld zu verdienen, schrieb ich nach Feierabend. Konnte ich später anfangen, stand ich in der Morgendämmerung auf, solange es noch kühl war und schrieb. Ich freute mich auf die Wochenenden, denn das bedeutete, von morgens bis abends fabulieren zu können. 

Einmal bekam ich ein Email mit der besorgten Nachfrage, wie es mir ginge, ob mich die Motivation verlassen hätte oder warum sie nichts mehr von mir höre. Ups, ich war so tief versunken in meine Geschichte, dass ich glatt vergessen hatte, die Lektorin auf dem Laufenden zu halten! Das erwies sich als fahrlässig, denn prompt hatte ich in meinem Enthusiasmus die Figuren aufs falsche Pferd gesetzt und wortreich in die verkehrte Richtung galoppieren lassen. Frau Stadelmann schwang das Lasso und fing die Irrläufer wieder ein, doch zurückholen musste ich sie selber. Während ich also zum gefühlt hundersten Mal überarbeitete, ging mir auf, wie fantastisch es ist, eine Begegnung so oft wiederholen zu können, bis alle Beteiligten zu ihrem Recht gekommen sind. Wie oft wünsche ich, es wäre auch im echten Leben so!

Die Zeit des Lektorats war ein vielschichtiger Prozess, an dessen Ende etwas herausgekommen ist, auf das ich stolz bin: 

Eine solide erzählte Liebesgeschichte, darauf angelegt, den geneigten Leser, die geneigte Leserin ziemlich oft zum Lachen zu bringen. Schließlich will ich den Spaß, den ich beim Schreiben hatte, mit möglichst vielen Lesenden teilen. Mein neuer Roman kommt völlig jugendfrei daher, aber von allem anderen gibt‘s ne Portion extra. 😉 Versprochen!