Galoppel, Galoppel oder wie das blaue Einhorn ins 19. Kapitel kam

Meine Hauptfigur Isabell ist Redakteurin in einer Firma, die Beiträge für’s Fernsehen realisiert. Damit habe ich ihr den Beruf einer Freundin angedichtet, die leider (viel zu früh) verstorben ist. Während ich an meiner Story schrieb, hätte ich noch 1000 Fragen an sie gehabt, aber traurigerweise war das nicht mehr möglich. Also kramte ich in meinem Gedächtnis nach Anekdoten, die sie mir, üblicherweise bei einem Cocktail, erzählt hat. Darüber hinaus befragte ich Menschen, die in einem Büro arbeiten, über ihren Berufsalltag aus. 

Warum ich das tat? 

Mir selbst ist die Bürowelt fern, denn ich arbeite »im wahren Leben« zwar auch (hin und wieder) für’s Fernsehen, aber auf der anderen Seite der Medaille. Dort wird nicht herumgesessen, sondern handfest zugepackt. Man läuft mindestens 10 Kilometer am Tag, steigt auf Leitern oder kniet am Boden und ist dankbar für die halbe Stunde Mittagspause, in der man sitzen darf. Neben dem unweigerlichen Fitness-Effekt, den solche Arbeit mit sich bringt, blickt man zu Feierabend zufrieden aufs Tagwerk und meist kann es sich sehen lassen! Anschließend ist es üblich und oft auch nötig, nach der Arbeit zu duschen und nicht davor, wie bei den Büromenschen. 😉

Was ist das für ein Job, bei dem mein Outfit für verwunderte Blicke sorgt, auch wenn die Arbeitskleidung frisch gewaschen ist?

Wenn ich in der Straßenbahn sitze, kommt es vor, dass kleine Mädchen mich erstaunt betrachten und sich angesichts der vielen bunten Flecken auf meiner Hose ratsuchend an ihre Mutter wenden. Manchmal mache ich mir einen Spaß daraus und lasse die Leute raten. Von Bautechnikerin bis Dachdeckerin wurde schon alles geboten. Wenn ich dann sage, ich bin Künstlerin, ernte ich noch erstauntere Blicke. Erst recht mit der Präzision Theatermalerin können viele nichts anfangen.

Das Bühnenbild ist meine Welt. Ich gestalte den sichtbaren Hintergrund, in dem die Figuren sich entfalten. Kein Film und keine Serie kommen ohne ein Szenenbild aus. Dafür braucht es Teams, die die Bühne oder das Set bauen. Die rohen Holzwände dann in eine zauberhafte Illusion zu verwandeln, ist der Job der Theater- oder auch Kunstmaler/Scenic Painter.

Wer die Kölner Fernseh-Szene verfolgt, der weiß, dass man ums blaue Einhorn nicht herumkommt. In den Hochzeiten des Privatfernsehens seilte sich einst sogar ein bekannter Moderator aus einem Hubschrauber ab, um ein Mal auf dem blauen Einhorn zu reiten. 

Ein Kollege schließlich brachte mich erst zum Lachen und dann auf die Idee. 

 

Da ich selbst hin und wieder eine Kippe lang dem Einhorn Gesellschaft leistete, kam ich mit ihm ins Gespräch. Es erzählte mir, dass es seinen Zwillingsbruder beneidet, der sich stolz über dem Coloneum aufbäumt. Ich versprach, dafür zu sorgen, dass es nicht vergessen wird. 

Im Kapitel „Mich leimt keiner“ verbinde ich Isabells Welt mit meinem realen Arbeitsalltag, in dem ich sie hinter die Kulissen einer Fernsehshow führe. Wen sie dort trifft und was dann passiert, verrate ich natürlich nicht. 

Fotos: Ralf Leclaire/Lucia Schwarz