Lektorin ohne Vorurteil: Mein heimliches Zugeständnis

Liebe Autorinnen, liebe Autoren!

Wenn ihr Lucia Schwarz’ Roman aufmerksam lest, werdet ihr eine Formulierung finden, die ich bisher in allen Romanen dick und fett kommentiert habe. Sie lautet: »Sag nicht Sie zu mir, das fühlt sich so fremd an. Sag einfach Gonzo zu mir, that’s okay.«

Viele denken dann wahrscheinlich: Jessas, wer hat die Frau bekehrt? War nicht sie es, die bei „Es fühlt sich gut an“ normalerweise in inquisitorisches Gegacker ausbricht, weil sie solche wörtlichen Übersetzungen aus dem Englischen für des Teufels hält?

Doch, das war ich. Aber Crazy Gonzalo ist Kanadier. Deshalb darf der das 😉

Text von Michaela Stadelmann

 

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Lektorin ohne Vorurteil: Taxifahrer mit Persönlichkeit

Als der Kölner Taxifahrer das erste Mal „jroße Hungk“ sagte (bzw. als die Autorin Lucia Schwarz ihm den „großen Hund“ in den Mund legte), da war es um mich geschehen. Da kann er von mir aus noch so’n Tuppes sein vor dem Herrn: Sein Dialekt hat mein Herz im Sturm erobert! Die wie lässig aus dem Ärmel geschüttelten Stadtbeschreibungen der Autorin taten ein Übriges dazu. Und nun sitze ich hier seit dem Beginn des Lektorats und habe ein ganz großes bisschen Heimweh nach der kölschen Liebenswürdigkeit, den Orten, an denen Isabell und Dario ihre Liebe zueinander entdecken – und dem guten alten Vater Rhein.

So ist datt, wenne als Rheinländer inne Ferne wohnst.

Text von Michaela Stadelmann

 

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Et es, wie et es

Ellen und Ricardo Rossi führen im Gegensatz zu Isabell und Thomas eine glückliche Ehe. Dabei läuft auch bei ihnen nicht alles glatt, um nicht zu sagen: Ellen lässt einen „Schatten der Vergangenheit“ über ihrer Ehe mit Ricardo schweben. Aber das tut sie nicht, weil sie böse wäre, sondern weil auch sie lernen muss, loszulassen und zu verzeihen. Das meine ich jetzt ganz ohne Kitsch.

Das Loslassen betrifft unter anderem auch ihren Sohn Dario. Nicht nur, dass er es bei der Berufsausbildung eher lässig angehen lässt. Er will nicht unbedingt an der Hochschule Musik studieren, obwohl er eine Menge Talent mitbringt und seine Mutter ihre Kontakte für ihn spielen lässt. Lieber geht er in das „Gonzervatorium“ des berühmten Jazz-Musikers Crazy Gonzalo.

Nein, er verliebt sich auch noch unsterblich in die mehr als 20 Jahre ältere Isabell! Dabei hat Ellen sich ihre Schwiegertochter ganz anders vorgestellt. Auf sie warten ein paar große Fettnäpfchen und handfeste Enttäuschungen, bis, ja bis sie ihren Weg findet und … Aber das müssen Sie selbst lesen.

Text von Michaela Stadelmann

 

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Lektorin ohne Vorurteil: Immer diese verdammten Nacktschnecken!

Ja, ich muss es hier in aller Öffentlichkeit sagen: Sie haben sich ihren Weg in den Roman erschlichen. Auf nassen Sohlen sind sie herangerutscht und …  spielen eine nicht ganz unwichtige Rolle. In gewisser Hinsicht tragen sie zu Darios Unabhängigkeit bei. Ich will nicht sagen, dass er wegen der Nacktschnecken erwachsen wird, aber … Ach, Sie werden es ja lesen!

Text von Michaela Stadelmann

 

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Lektorin ohne Vorurteil legt Marc die Worte in den Mund: Meine Mutter hat keinen … Ach, ihr wisst schon!

Wenn ihr mich fragt, hat Marc es am dümmsten erwischt. Seine Eltern wollen sich trennen. Darüber hinaus muss er sein eigenes Leben mit 17 irgendwie allein managen, weil Isabell und Thomas nur noch mit sich selbst beschäftigt sind. Soll das etwa die coolste Zeit seines Lebens sein?

Um wie Anna die Ruhe zu bewahren, mangelt es Marc noch an Lebenserfahrung. Als er mitbekommt, dass einer seiner besten Freunde mit seiner Mutter Isabell ausgeht, platzt ihm deshalb auch der Kragen, und zwar gewaltig! Denn: »Meine Mutter ist … eine Mutter eben!« Sie hat zwar ein Recht auf ein eigenes Leben, aber anders, nicht so zerstörerisch, wie sich Isabells neuer Weg auf die Familie auswirkt.

Anfangs fragte ich mich ja noch, wie die Autorin Lucia Schwarz das wieder hinbiegen will. Aber ich kann es euch schon verraten. Sie hat es ziemlich cool gelöst.

Text von Michaela Stadelmann

 

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Lektorin ohne Vorurteil: Dario hat gar kein Auto

Allein schon sein Name lässt das Herz höherschlagen: Dario Rossi, Sohn des Wrestling-Stars Ricardo Rossi, ist Halbitaliener und aaawww … So, wie die Autorin Lucia Schwarz ihn den Leserinnen kredenzt, möchte man dringend mit Isabell tauschen, um dieses Sahneschnittchen selbst kennenzulernen! Und wenn ich das als Lektorin schreibe, dann meine ich es auch so. Könnte sein, dass es an den lockigen, schwarz-braunen Haaren liegt. An den hellbraunen Augen mit den goldenen Einsprengseln in der Iris. Dem weichen, gepflegten Vollbart, der Darios markantes Gesicht betont …

Aber um ehrlich zu sein: Es liegt daran, dass Dario so herrlich normal wirkt. Sein „leckeres“ Aussehen verleiht ihm weder Superkräfte noch gottgegebene Arroganz. Die hätte ich ihm Ü-BER-HAUPT kein bisschen verziehen, geschweige denn durchgehen lassen!

Er bringt auch ein paar Schwächen mit. Nein, keine schwere Kindheit, die ihm als Bad-Boy-Freikarte ausgelegt werden könnte. Im Gegenteil, er ist Isabell und allen anderen Figuren gegenüber sogar überaus zuvorkommend. Aber er ist Musiker und obendrein auch noch Marcs Band-Kumpel. Und Marc, jahaaa der ist Isabells Sohn …

Text von Michaela Stadelmann

 

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Lektorin ohne Vorurteil: Thomas, der Träumer

Thomas ist das, was man in Köln wohl einen „Jeck“ nennt. Ein bisschen verstrahlt, derzeit nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens (glaubt er), aber mit einem goldenen Händchen gesegnet (glaubt auch nur er). Einmal hat er auf der Baustelle etwas selbst machen wollen und zack! waren nach dem Sturz von der Leiter die Lendenwirbel hinüber. Seitdem sucht er nach anderen Geldquellen wie zum Beispiel den Handel mit Optionsscheinen an der Börse. Er findet zusätzlich Trost und Bestätigung im Alkohol, was seine Optionen bei Isabell auch nicht unbedingt steigen lässt.

Der Kölner sagt: Et kütt, wie et kütt, in diesem Fall: knüppeldick! Die Zockerei wirkt sich nicht nur drastisch auf Isabells und Thomas’ Erspartes aus. Der Alkohol beschert ihm nach einer weiteren durchzechten Nacht auch etwas, das ich beim ersten Mal als „Idiotenfresse“ zu lesen glaubte (und zu meiner Schande ziemlich dreckig lachen musste, sorry, not sorry). Und natürlich bestärkt es Isabell in ihrem Wunsch, die Ehe mit ihm zu lösen, weil sie sich unter diesen Voraussetzungen ein weiteres Zusammenleben einfach nicht mehr vorstellen kann. (Ging mir beim Lesen aber auch so.)

Zu meiner Überraschung hat die Autorin Lucia Schwarz auch nicht sooo tief in die Klischeekiste gegriffen. Stattdessen hatte sie für Thomas noch die eine oder andere Überraschung parat. Ganz ehrlich, ich mag Thomas. Aber seine literarische Läuterung hat er sich redlich verdient

Text von Michaela Stadelmann

Liebe ohne Vorurteil, Print:  328 Seiten

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Anna Himmelreich

Lektorin ohne Vorurteil

Hör auf deine Freundin!

Anna ist Isabells beste Freundin. Geduldig erträgt sie ihre täglichen Klagen, bis eines Tages eine ganz andere Isabell das gemeinsame Büro betritt. Anfangs schöpft sie noch Hoffnung, dass Isabell nicht bei „Dario riecht lecker“ verweilt. Doch Isabell, die Treue, käme niemals auf die Idee, Thomas und damit ihre Komfortzone zu verlassen. Klar, dass Anna das so nicht stehenlassen kann. Immerhin muss sie noch ein Weilchen mit Isabell zusammen im Büro sitzen. Und da sie nicht weitere zwanzig Jahre das Geheule ihrer besten Freundin auszuhalten gedenkt, schreitet sie zur Tat, als sie Dario zufällig kennenlernt.

Sehe ich da jemanden empört die Augenbrauen runzeln? Wieso denn? Jeder hat ein Recht auf ein schönes Leben, auch Menschen wie Anna! Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen: Anna hat ihr ausgeprägt egozentrisches Helfersyndrom zugunsten mehrerer Leute eingesetzt. Jawoll:

Sie kann endlich ihren unbezahlten Seelsorger-Job für Isabell sausen lassen.

Isabell kann noch einmal so richtig aufblühen und spüren, dass sie lebt.

Dario, der trotz aller Erwartungen kein typischer Herzensbrecher ist, bekommt einen handfesten Anlass, sich endlich mal aus dem elterlichen Nest zu bewegen.

Text von Michaela Stadelmann

 

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Isabell Schmidt: Zwanzig Jahre verheiratet und so gut wie tot?

Um die Wartezeit bis zum Erscheinungstermin zu überbrücken, haben meine Lektorin und ich ein paar Teaser ausgeheckt. Ich zeichne für den illustrativen Teil verantwortlich.

Heute ist es an der Zeit, die wunderbare Michaela Stadelmann zu Wort kommen zu lassen.

Viel Vergnügen mit der kleinen Serie

Lektorin ohne Vorurteil

Isabell, Mitte vierzig, hat sich eigentlich ganz gut in ihrem Leben eingerichtet. Sie ist verheiratet, arbeitet in einem spannenden Beruf, und Sohn Marc bietet auch keinen Anlass zur Klage. Nur mit ihrem Mann Thomas, nun ja, da läuft es eher auf eine Wohngemeinschaft als auf eine Ehe hinaus. Seit er vor fast zwei Jahren einen schweren Unfall hatte, verkriecht er sich in seinem Reich, dem heimischen Keller. Er kommt nur noch zum Essen und Schlafen nach oben, aber eine Ehe – nein, die führen er und Isabell definitiv nicht mehr.

Isabell, die treue Seele, hält trotzdem zu ihm, bis ihr der wesentlich jüngere Dario sprichwörtlich vor die Füße fällt. Und plötzlich stellt Isabell ihr komplettes Eheleben infrage.

Was ich übrigens nicht nur wegen Lucia Schwarzens wunderbarem Liebesroman völlig in Ordnung finde. Denn mit 40 fängt das Leben erst an!

 

Liebe ohne Vorurteil, Print:  328 Seiten

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Galoppel, Galoppel oder wie das blaue Einhorn ins 19. Kapitel kam

Meine Hauptfigur Isabell ist Redakteurin in einer Firma, die Beiträge für’s Fernsehen realisiert. Damit habe ich ihr den Beruf einer Freundin angedichtet, die leider (viel zu früh) verstorben ist. Während ich an meiner Story schrieb, hätte ich noch 1000 Fragen an sie gehabt, aber traurigerweise war das nicht mehr möglich. Also kramte ich in meinem Gedächtnis nach Anekdoten, die sie mir, üblicherweise bei einem Cocktail, erzählt hat. Darüber hinaus befragte ich Menschen, die in einem Büro arbeiten, über ihren Berufsalltag aus. 

Warum ich das tat? 

Mir selbst ist die Bürowelt fern, denn ich arbeite »im wahren Leben« zwar auch (hin und wieder) für’s Fernsehen, aber auf der anderen Seite der Medaille. Dort wird nicht herumgesessen, sondern handfest zugepackt. Man läuft mindestens 10 Kilometer am Tag, steigt auf Leitern oder kniet am Boden und ist dankbar für die halbe Stunde Mittagspause, in der man sitzen darf. Neben dem unweigerlichen Fitness-Effekt, den solche Arbeit mit sich bringt, blickt man zu Feierabend zufrieden aufs Tagwerk und meist kann es sich sehen lassen! Anschließend ist es üblich und oft auch nötig, nach der Arbeit zu duschen und nicht davor, wie bei den Büromenschen. 😉

Was ist das für ein Job, bei dem mein Outfit für verwunderte Blicke sorgt, auch wenn die Arbeitskleidung frisch gewaschen ist?

Wenn ich in der Straßenbahn sitze, kommt es vor, dass kleine Mädchen mich erstaunt betrachten und sich angesichts der vielen bunten Flecken auf meiner Hose ratsuchend an ihre Mutter wenden. Manchmal mache ich mir einen Spaß daraus und lasse die Leute raten. Von Bautechnikerin bis Dachdeckerin wurde schon alles geboten. Wenn ich dann sage, ich bin Künstlerin, ernte ich noch erstauntere Blicke. Erst recht mit der Präzision Theatermalerin können viele nichts anfangen.

Das Bühnenbild ist meine Welt. Ich gestalte den sichtbaren Hintergrund, in dem die Figuren sich entfalten. Kein Film und keine Serie kommen ohne ein Szenenbild aus. Dafür braucht es Teams, die die Bühne oder das Set bauen. Die rohen Holzwände dann in eine zauberhafte Illusion zu verwandeln, ist der Job der Theater- oder auch Kunstmaler/Scenic Painter.

Wer die Kölner Fernseh-Szene verfolgt, der weiß, dass man ums blaue Einhorn nicht herumkommt. In den Hochzeiten des Privatfernsehens seilte sich einst sogar ein bekannter Moderator aus einem Hubschrauber ab, um ein Mal auf dem blauen Einhorn zu reiten. 

Ein Kollege schließlich brachte mich erst zum Lachen und dann auf die Idee. 

 

Da ich selbst hin und wieder eine Kippe lang dem Einhorn Gesellschaft leistete, kam ich mit ihm ins Gespräch. Es erzählte mir, dass es seinen Zwillingsbruder beneidet, der sich stolz über dem Coloneum aufbäumt. Ich versprach, dafür zu sorgen, dass es nicht vergessen wird. 

Im Kapitel „Mich leimt keiner“ verbinde ich Isabells Welt mit meinem realen Arbeitsalltag, in dem ich sie hinter die Kulissen einer Fernsehshow führe. Wen sie dort trifft und was dann passiert, verrate ich natürlich nicht. 

Fotos: Ralf Leclaire/Lucia Schwarz