Pikachu

Die rostige Stahltür knarzte, als Isabell sie behutsam aufdrückte. Staubpartikel flirrten im morgendlichen Sonnenlicht. Der Lichtstrahl zeichnete die Silhouette ihres Sommerkleides wie einen Scherenschnitt auf den staubigen Boden. Sieht fast aus wie eine Königin aus dem Land der langen Schatten. Der Umriss meiner Hochsteckfrisur ist das Krönchen, dachte sie amüsiert, bevor sie vorsichtig ins Halbdunkel trat. Ihre Augen brauchten einen Moment, um sich an das Dämmerlicht zu gewöhnen. Kisten und Kartons standen kreuz und quer übereinandergestapelt zu beiden Seiten des Ganges. Der wummernde Beat einer Bassdrum ließ die Wände erzittern. Ein sicheres Zeichen, dass sie auf dem richtigen Weg zum Proberaum war. Sie tastete sich zögernd vorwärts, während ihre Augen sich allmählich auf das Halbdunkel einstellten. Was tat sie nicht alles, um die Versäumnisse ihres Kindes glattzubügeln! Würde das jemals aufhören? 

Plötzlich eierte ein kleines surrendes Etwas quer über den Flur und verschwand unter einem Stapel. Erschreckt blieb sie stehen. Von irgendwo drang Stimmengewirr herüber. Sie glaubte, ihren Sohn Marc herauszuhören.

»Dort drüben! Ich sehe ihn. Er ist unter den Kartons verschwunden.«

»Da vorne zwischen den Kisten?«

»Jepp, ich werde ihn einfangen.«

»Ich bin schneller als du, wetten?«

»Wäre es nicht besser, abzuwarten, ob er die Kurve kriegt?«

»Jede Minute zählt. Am Ende frisst er sich wieder fest.«

»Ich glaube nicht, dass da …«

»Lass mich vorbei!«

»Ja aber …«

Ein Schatten flog auf Isabell zu. Sie konnte gerade noch zurückweichen. Mit einem Kampfschrei hechtete eine große Gestalt an ihr vorbei und landete auf dem Stapel direkt neben ihr. Kartons stürzten übereinander und begruben den Jäger mit großem Getöse unter sich. 

Unverkennbar ertönte Marcs Gelächter. »Uahaha! Du bist echt ein Honk, Alter.« Er hielt sich den Bauch vor Lachen. 

Resigniert antwortete eine gedämpfte Stimme: »Mist, er ist entwischt.«

Marc schnappte immer noch nach Luft, ohne Notiz von Isabell zu nehmen. Nach einer Weile ebbte das Lachen ab. Marc hob verdutzt den Kopf. »Mama?! Was machst du denn hier?«

Isabell verkniff sich das Feixen und klärte ihn mit gespielter Ernsthaftigkeit auf: »Du hast deine Plättchensammlung auf dem Küchentisch liegen lassen. Da dachte ich, ich bring sie mal vorbei.« Sie reichte ihm ein Kästchen.

»Hey, das ist total nett von dir, aber erstens heißt es Plektrum und zweitens hätte ich sie jetzt nicht so dringend gebraucht.«

»Das sehe ich«, sagte Isabell und ließ den Blick über das Chaos schweifen. Wie Marc sich hier überhaupt zurechtfand, war ihr ein Rätsel.

Ein Kopf schob sich mit bedröppelter Miene aus dem Gerümpel, darauf ein alter Putzlappen. Sobald er aber Isabell erblickte, änderte sich der Gesichtsausdruck. Ein Augenpaar wanderte Isabells Beine entlang, taxierte ihren schlanken Körper und fing schließlich ihren amüsierten Blick auf. Das verschmitzte Lächeln des Lappenträgers gefiel ihr auf Anhieb, aber sie ließ sich nichts anmerken. 

Der junge Bursche machte das Beste aus seinem erbärmlichen Auftritt, indem er sich lässig das Tuch vom Kopf zog. Er zeigte mit dem Daumen hinter sich. »Das Mistding ist nach dort abgedriftet.« 

In diesem Moment rumpelte es unter den Kartons. Ein tellerrundes Objekt in Tarnfarben kam zum Vorschein. Darauf thronte eine gelbe Spielzeugfigur in einem Cockpit. Es sah aus wie ein UFO mit einem knopfäugigen Alien als Pilot. Zielstrebig bahnte das Gefährt sich einen Weg aus dem Gerümpel und rollte schnurstracks gegen die nächste Kiste. Augenblicklich wechselte es die Richtung und surrte den Gang hinunter. Isabell staunte. Offensichtlich hatten sich die Jungen eine Menge Mühe gemacht, das Pokémon-Go-Spiel mithilfe eines Staubsaugerroboters in die reale Welt zu bringen.

Mühelos sprang der Pokémonjäger auf die Füße. Er schnappte sich das schnurrende Ding und präsentierte es Isabell mit theatralischer Geste. »Das ist Pikachu auf seinem Kampfgefährt. Unbeirrt zieht er seine Bahnen durch unerforschtes Gelände, ständig bereit, neuen Herausforderungen zu begegnen.« Seine Stimme nuancierte in einem angenehmen Bariton.

»Aha.« Isabell behielt ihr Pokerface bei. Niemand sollte mitbekommen, wie sehr sie von der Geschmeidigkeit des jungen Kerls beeindruckt war. Es entstand eine Pause, in der sich beide musterten. 

Marc ergriff das Wort: »Das ist mein Kumpel Dario. Er spielt bei uns am Piano, wenn er nicht gerade Pokémons fängt.«

Dario warf Marc einen dankbaren Blick zu. »Hallo, Frau Schmidt, nette Sache, Sie kennenzulernen.«

»Legst du dich immer so ins Zeug?«, fragte Isabell und schüttelte seine Hand. Sie fühlte sich angenehm an, warm und weich. Die Haut um seine Augen war glatt und frisch. Also konnte er nicht viel älter sein als Marc. Er trug einen Vollbart, der sein charmantes Lächeln umrahmte. Die langen Haare waren zum Pferdeschwanz gebunden und unter dem T-Shirt zeichneten sich deutliche Muskeln ab. Wäre er nicht Marcs Kumpel gewesen, hätte er sicherlich die Bezeichnung Sahneschnittchen verdient. »Ich habe mir einen Pianisten etwas weniger dynamisch vorgestellt.«

Mit einem schelmischen Funkeln parierte er ihre kleine Spitze. »Die Überraschung ist ganz meinerseits. Ich hätte nicht erwartet, dass Marcs Mutter eine MILF ist.«

Marc starrte Dario entsetzt an. »Alter!«

»Bitte was?« Fragend blickte Isabell ihren Sohn an, der peinlich berührt den Kopf zur Seite drehte. Sie versuchte, etwas halbwegs Einfallsreiches zu erwidern, denn sie hatte keine Ahnung, wovon der Typ sprach. »Nein, ich bringe keine Milch, sondern nur die Plektren.«

Marc wollte offensichtlich verhindern, dass die Begegnung in eine delikate Richtung lief, und bot eine Erklärung an. »Dario ist ein halber Spaghetti, der weiß nicht, was er spricht.« Er trat ihm auf den Fuß. »Ich denke, er meint, wir sollten mal wieder einen Milchshake trinken.«

Dario knuffte Marc in die Seite, der darauf mit einem verärgerten »Autsch!« reagierte. »Schon gut, du Bio-Kartoffel, ich wollte niemand beleidigen.« Er besann sich, bevor die Situation in eine Rangelei ausuferte, und sagte: »Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass Sie eine echt schöne Frau sind, Frau Schmidt.«

Marc verdrehte kopfschüttelnd die Augen.

Isabell fühlte sich geschmeichelt. So etwas hatte sie noch nie von einem Freund ihres Sohnes zu hören bekommen. Wenn sie ehrlich war, tat ihr dieses Kompliment richtig gut. Es klang auf jeden Fall anders als die Garstigkeiten, mit denen ihr Göttergatte sie immer öfter bedachte. Sie lächelte. »Du kannst mich ruhig Isabell nennen, Dario«, sagte sie frei heraus.

Dario setzte seine Charmeoffensive fort: »La Bella, die Schöne! Kein Name könnte besser passen. Okay, ich nenne Sie Isabella, Isabella.«

Isabell blinzelte ihn kokett an. »Lass uns du zueinander sagen, sonst fühle ich mich so alt.« 

»Geht klar, Isabella«, erwiderte Dario hocherfreut. »Willst du nicht reinkommen und den Delicious Vibes ein Weilchen beim Jammen zuhören?« Einladend wies er in den chaotischen Probenraum.

Mit einem Seitenblick auf den immer zappeliger werdenden Marc sagte Isabell: »Das passt gerade schlecht, ich muss weiter zur Arbeit.« 

Dario schien ehrlich enttäuscht. »Schade, vielleicht klappt es dann ein anderes Mal.«

Sie lächelte spitzbübisch. »Wenn es meinem Kind nicht unangenehm ist, komme ich gerne mal zu einem Auftritt oder so.«

Marc atmete hörbar auf. »Gute Idee, Mama, ich sag dir Bescheid, wenn es soweit ist. Wir müssen jetzt weitermachen.«

Isabell konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. »Marodierende Pokémon einfangen, ist schon klar.«

»Wir spielen nun mal gerne«, erwiderte Dario grinsend.

»Alles klar, Jungs! Marc, wir sehen uns später.« Sie klopfte ihm zum Abschied auf die Schulter und ging hinaus. Der Tag hätte schlechter beginnen können, stellte sie lächelnd fest und fuhr in die Redaktion.

 

Thomas allein zu Haus

Thomas’ Problem bestand darin, dass er zwar ein attraktiver, groß gewachsener Mann, aber anatomisch eher schmal geraten war. Er versuchte, den Mangel an körperlicher Fülle, die seiner Meinung nach einen echten Mann auszeichnete, durch seine überragende Intelligenz wettzumachen. Das hatte fast vierzig Jahre lang ganz gut funktioniert, aber dann ging ihm auf halber Strecke die Luft aus. 

Technikaffin, wie er war, hatte er gleich nach dem Abi in einer Garage einen Auslieferservice für Beleuchtungsequipment gegründet. Die Zeiten waren günstig, denn Anfang der neunziger Jahre startete RTL in Köln durch und suchte dringend Räume und Zulieferfirmen, um Abendshows produzieren zu können. Das Privatfernsehen boomte. Thomas war von Anfang an dabei gewesen. Der schnelle Erfolg stieg ihm zu Kopf, denn er hielt sich für unverwundbar. Nachdem Isabell den kleinen Marc, Träger seiner Gene und personifizierte Zukunft, geboren hatte, ließ er das stattliche Haus in Ehrenfeld bauen. Das Glück war perfekt, doch er war noch nicht zufrieden.

Thomas verkaufte die Firma, um als Lichtdesigner für Furore zu sorgen. Durch die guten Kontakte bekam er einen Auftrag nach dem anderen. Bald reichte ihm das Fernsehgeschäft nicht mehr aus. Er stieg ins Autobusiness ein und war bei allen Präsentationsshows für Daimler, BMW und Audi der angesagte Lichtdesigner. Oft war er wochenlang unterwegs, konzipierte aufwendige Bühnenshows, stellte Teams zusammen, dirigierte seine Angestellten, bis alles perfekt war und beruhigte die Kundschaft. Auf diese Weise schlug er sich die Nächte um die Ohren, um dann frühmorgens alleine in einem kalten Hotelbett zu landen, in dem er keinen Schlaf finden konnte. 

Dann kam der Rückschlag in Form eines Arbeitsunfalls. Einmal, ein einziges Mal hatte er selbst Hand angelegt und war auf die Leiter gestiegen, als es ihm mit dem Einbau der riesigen Scheinwerfer nicht schnell genug ging. Wegen einer Unachtsamkeit verfehlte er eine Sprosse, fiel hinunter und brach sich mehrere Lendenwirbel. Er musste monatelang das Bett hüten und konnte froh sein, dass er überhaupt wieder laufen lernte. Dieses Erlebnis bestätigte ihn darin, dass es der bessere Weg war, andere die Arbeit verrichten zu lassen und sich selbst lieber dem Denken zu widmen. 

Allerdings verwechselte er Denken mit Grübeln und verstieg sich im Laufe der langen Bettruhe in eine Depression, die er mit Alkohol zu lindern versuchte. Er gab allen anderen die Schuld an seinem Unfall und verpasste den Wiedereinstieg in das hart umkämpfte Geschäft. Stattdessen saß er zu Hause und tat sich selbst leid, weil er kein Geld mehr verdiente. All die hochtrabenden Pläne, die er für das Leben mit Isabell und Marc entworfen hatte, lösten sich allmählich in Rauch auf. 

Natürlich war es ein Segen, als Isabell die Chance bekam, in der Redaktion bei Sturmreiter.tv zu arbeiten. Je mehr ihr Selbstbewusstsein erstarkte, desto mehr hielt er sich für einen Versager. Es war unmöglich, den Führungsanspruch aufrechtzuerhalten, als die Heerscharen von Technikern weiterzogen, um sich bei anderen, fitteren Alphatieren zu verdingen. Niemand achtete mehr auf ihn. Isabell hatte sein oberschlaues Getue im Laufe der Jahre nach und nach durchschaut. Selbst sein Sohn nahm ihn nicht mehr richtig ernst.

Aber er würde ihnen beweisen, dass er doch noch zu etwas zu gebrauchen war! Und so robbte er über die Bettkante und schlich in die Küche, um einen Kaffee aufzubrühen. Schlaftrunken schaufelte er reichlich Pulver in den Filter, drückte auf den Startknopf und zuckelte ins Bad. 

Es ist ein Gerücht, dass Männer sich niemals von der Seite im Spiegel betrachten. Thomas jedenfalls tat es und was er sah, erfüllte ihn keineswegs mit Selbstvertrauen. Die langen Arme und Beine waren zahnstocherdünn wie eh und je, aber über seinen Lenden wuchs eine Kugel, mit der er Isabell, als sie im achten Monat schwanger war, ebenbürtige Konkurrenz gemacht hätte. Frustriert strich er mit der Hand darüber und legte die Stirn in Falten. Er blickte in sein verquollenes Gesicht und stellte fest, dass nicht mal sein Bartwuchs einigermaßen männlich wirkte. Lediglich am Kinn und auf der Oberlippe war der Bart üppig, an den Wangen gähnten jedoch große Lücken. Da er heute sicher nicht auf Kaperfahrt gehen wollte, wusch er schlichtweg den Typen, den er im Spiegel sah, und schlurfte zurück in die Küche. Er schenkte sich eine große Tasse Kaffee ein und trug sie in sein Reich, den Keller.

Die Monitore seines Computers erwachten zum Leben. 

Er öffnete zunächst die Seite eines bekannten Börsenhändlers, und dann den Kurs des britischen Pfundes in einem eigenen Fenster. Er wollte sehen, wie es um seine Optionen stand. Je tiefer die Währung sank, um so größer wurde sein Stolz auf seine prophetischen Fähigkeiten, was den Brexit und seine Auswirkungen anbelangte.

Dann begann er seine morgendliche Facebook-Runde, um zu sehen, was es in der Welt Neues gab. Isabell war der Meinung, er gehe nicht genügend unter Leute, aber er sah das anders. Auf dem virtuellen Marktplatz bekam er alle Informationen, die er brauchte, um auf dem Laufenden zu sein. Schließlich hatte er über fünfhundert Freunde und war mit zahlreichen Kollegen vernetzt. Gedankenverloren steckte er sich eine Kippe an und scrollte schmunzelnd durch die Chronik.

Gonzo, der Kater pirschte sich lautlos heran. Er setzte sich neben den Drucker, der rechts auf dem Tisch stand und beäugte Thomas eine Weile. 

Wusch! 

Mit einem gezielten Hieb fegte er einen Stapel unschuldiger Papierblätter aus dem Ablagefach. 

Thomas schreckte hoch. Fast hätte er die Kaffeetasse umgestoßen. 

Die Papierbögen segelten quer durch den Raum. Gonzo sauste hinterher und zerfetzte jedes Blatt, das er erwischen konnte, mit ausgefahrenen Krallen.

»Hey, du Mistvieh, nimm deine widerwärtigen Pfoten von meinem Druckerpapier«, schimpfte Thomas. 

Der Kater zerriss noch ein Blatt, blickte ihn an und maunzte. 

»Was willst du von mir?«

Gonzo hielt den Blickkontakt, hob eine Pfote und fuhr die Krallen aus. 

Thomas starrte ihn böse an. »Wehe dir, wenn du …«

Ein weiteres Blatt löste sich in Fetzen auf, gefolgt von einem vorwurfsvollen »Miiaaauuu!«

Entnervt drückte Thomas die Zigarette aus und stand auf. »Lass das, sonst …«

Gonzo trippelte zur Tür und schaute ihn anklagend an. »Meeooo!«

»Was soll das? Haben dir die anderen nichts zum Frühstück gegeben? Geh raus und such dir eine Maus!« Er packte den Kater und trug ihn nach oben. Entnervt öffnete er die Haustür, weil er ihn auf die Fußmatte setzen wollte. Allerdings bedachte er nicht, dass Scooter, der Hund darauf Wache hielt. Scooter erfüllte seine Pflicht gerne gewissenhaft, wie es sich für einen Hütehund im Format eines Shetlandponys gehörte.

Der Kater sprang auf Scooters Rücken und verpasste ihm eins mit der Pfote. Dann suchte er das Weite. Scooter sprang jaulend auf. Er bellte dem Kater hinterher und suchte Trost bei seinem Herrchen, indem er sich an Thomas’ Beine drückte.

Thomas inspizierte die blutende Nase. »Das ist ja wie im Irrenhaus hier«, sagte er seufzend und tätschelte über den großen Hundekopf. »Na gut, komm herein. Mal sehen, was ich für dich tun kann.« Er ließ ihn hineintrotten. »Aber nicht alles vollkleckern, sonst meckert Isabell wieder«, mahnte er und betupfte die wunde Hundenase mit nassem Küchenkrepp. »Komm mit in den Keller, dann kannst du da auf mich aufpassen und mich rechtzeitig warnen, falls der Dreckskater sich wieder anschleicht.«

Aufs Neue tappte Thomas die Treppe hinunter, diesmal gefolgt von Scooter. Thomas sammelte von dem Papier ein, was noch zu gebrauchen war und stopfte es zurück in den Drucker. Er setzte sich in den Chefsessel, sah Scooter an und seufzte tief. »Der Kater ist ein Sausack und er hat es auf uns beide abgesehen. Eines Tages werden wir uns rächen.«

Scooter stimmte ihm wedelnd zu. 

»Wenigstens auf dich kann ich mich verlassen, alter Freund«, murmelte Thomas und trank gedankenverloren einen großen Schluck Kaffee. Bäh! Unzählige Kaffeekrümel fluteten seinen Mund. Igitt! Es war widerlich. Instinktiv spie er das Gesöff in hohem Bogen aus, Scooter direkt über den Kopf. Der Hund jaulte auf, schnellte hoch und versuchte, sich in Deckung zu bringen. Dabei räumte er mit der Rute sämtliche Bierflaschen ab, die auf dem Tisch aufgereiht standen. Aneinanderklirrend stürzten sie zu Boden. Es gab ein Riesengetöse. Die Flaschen kreiselten umher und hinterließen jede Menge Pfützen auf dem Linoleum. 

Thomas sprang entsetzt auf. »Ach du grüne Neune! Was für eine Scheiße!«

Panisch flüchtete Scooter in den Flur. Dort hatte er genug Platz, um sein weißes Fell zu schütteln. Tausend kleine Kaffeespritzer verteilten sich großflächig auf den Wänden und hinterließen eine bräunliche Lasur, die tranig herabfloss. Es stank nach Bier und Kaffee gleichermaßen. 

Verfluchte Scheiße, heute war nicht Thomas’ Tag.