Lales Vorwort

Mein Name ist Anders. Lale Anders.
Meine Eltern verehrten die Schlagersängerin, deren Name dem meinen bis auf die letzte Silbe gleicht.
Ein Hauch der Romantik, die Lale Andersen in ihren Seemannsliedern heraufbeschwor, prägte mich von Kindesbeinen an und legte mir das Streben nach der wahren großen Liebe in den Sandkasten, in dem ich nicht nur vom weiten Meer träumte, sondern auch meine ersten sinnlichen Erfahrungen machte. In der Schule riefen die anderen Kinder mir nach: »Lale ist anders!« So ist es geblieben, mein Name wurde Programm. Ich bin anders.
Anders, als die meisten Menschen, mit denen ich zu tun habe. Die meisten Menschen wissen genau, wen sie lieben können und halten sich daran. Eine Frau verliebt sich in einem Mann, ein Mann verliebt sich in eine Frau, so will es die Konvention.
Ich konnte mich nie entscheiden. Ich liebe Frauen und ich liebe Männer. Zuerst sehe ich den Menschen, den Charakter, das Wesen, die Seele und verliebe mich darin. Dann stelle ich fest, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Ich finde beides gleich begehrenswert.
An einer Frau liebe ich die Weichheit, die Zartheit und die Empfindsamkeit. Ich begehre die femininen Rundungen, die Hingabe, die nur den Frauen zu eigen ist. An einem Mann liebe ich die Stärke der Muskeln und die Fürsorglichkeit. Ich begehre die maskuline Ausstrahlung und das Testosteron gesteuerte Drängen, das nur den Männern zu eigen ist.
Ich blieb offen wie ein Kind, das in die Welt läuft und sein Herz verschenkt an den nächsten Menschen, dem es begegnet und der ihm zugewandt ist. So passierte es in einem turbulenten Sommer nach der Jahrtausendwende, dass ich mich erst in einen Mann und bald darauf in eine Frau verliebte. Meine Freundin Lucia war davon so angetan, dass sie die Geschichte unbedingt erzählen wollte – die Geschichte von Lale Anders.

Ich selbst bleibe lieber inkognito und gehe jetzt zurück in die Werkstatt. Ich habe zu tun.

 

1. Kapitel

„Seit gestern war endlich Sommer in der Stadt. Lale hatte sich so lange nach der Leichtigkeit gesehnt, die der Juli mit sich brachte. Die Wärme machte das Leben zwangloser.
Sie befreite ihre Füße von der stählernen Schwere der Arbeitsstiefel und beförderte die dreckige Zimmermannshose mit einem Tritt in die Ecke. BH, T-Shirt und Slip flogen hinterher. Sägestaub rieselte um sie herum, als sie das Zopfgummi aus ihren Haaren löste. Lale stieg in die Dusche und stellte sich in den erfrischenden Strahl. Mit dem Staub wusch sie die Härte von sich ab, die sie tagsüber brauchte, um sich vor den Jungs behaupten zu können.
Heute Abend würde sie das lüsterne Weib in sich wieder auferstehen lassen. Viele Monate hatte sie sich hinter der Maske der coolen Powerfrau versteckt, aber jetzt war die Zeit gekommen, das zu ändern.
Sorgfältig bürstete sie ihre blonden Locken und zog das rotgeblümte Sommerkleid an. Sie hatte es extra für die Ausstellungseröffnung gekauft. Zufrieden lächelte sie ihr Spiegelbild an und machte sich auf den Weg zur Kunstgalerie.“

„Es herrschte bereits großer Trubel, als sie eintrat. Die hohen Räume waren erfüllt von dem geräuschvollen Geschnatter des kunstinteressierten Publikums. Lale musste sich ihren Weg zwischen den Menschentrauben bahnen, als ihr plötzlich jemand um den Hals fiel.
»Schön, dass du hier bist!«, rief die Frau, um deren Bilder sich heute Abend alles drehte. Es war Yvi, ihre beste Freundin.
»Du siehst toll aus!« Sie betrachtete Lale von Kopf bis Fuß. »Was für eine Verwandlung! In so einem Kleid habe ich dich noch nie gesehen – dazu die hochgesteckten Haare! Ich sehe eine umwerfend schöne Frau vor mir!«
Lale lächelte und strich sich verlegen eine Strähne aus dem Gesicht. »Ich hatte Lust, einen neuen Weg einzuschlagen.«
»Neue Wege entstehen dadurch, dass du sie gehst. So bezaubernd wie du heute Abend bist, wirst du bestimmt leichten Schrittes auf deinem Neuland wandeln.« Yvi zwinkerte ihrer Freundin zu. »Ich bin jahrelang in deiner Firma in alten Trampelpfaden herumgestiefelt. Und jetzt sieh dir das an!« Sie deutete auf einen Pulk von Journalisten, die sich mit Schreibzeug und Kameras bewaffnet vor den großformatigen Bildern drängten. »Der Galerist unterhält Beziehungen zu Sammlern aus aller Welt. Wahrscheinlich gibt es sogar einen Artikel im Kunstmagazin Art über mich.«
Lale schluckte. „»Wenn du alle Bilder verkaufst, dann brauchst du mich und die Firma Blendwerk nicht mehr.«
»Du wirst immer meine beste Freundin bleiben, egal, womit ich mein Geld verdiene«, sagte Yvi und grinste. »Wenn ich mal wieder knietief im Dreck wühlen will, weiß ich ja, wo ich das tun kann. In einem Ehrenfelder Hinterhof und in den Filmstudios dieser Stadt.«
»Ich muss gestehen, dass mir dein neuer Weg, Bilder zu verkaufen, sehr gut gefällt. Natürlich weiß ich, dass diese Ausstellung immer das war, wovon du geträumt hast. Wie sagt der Kölner? Man muss auch gönnen können!«
Ein Kellner mit einem gefüllten Tablett kam vorbei. Lale nahm zwei Gläser, reichte eins an Yvi weiter und prostete ihr zu. »Auf deinen Erfolg und deine Karriere!«
»Auf unsere Freundschaft!«, erwiderte Yvi.
Sie ließen die Gläser klirren. Lale freute sich aufrichtig darüber, dass Yvi endlich der ganzen Welt zeigen konnte, was in ihr steckte. Die glamouröse Party hier stand in scharfem Kontrast zum staubigen Alltag der Film- und Fernsehbaustellen, wo Yvis ganzes Talent nur selten gefragt war.
Yvi deutete mit dem Kopf unauffällig nach links. »Hast du gesehen, dass die Hardcore-Lesben-Fraktion auch anwesend ist?«
Lale folgte ihrem Blick und entdeckte drei Gestalten, welche in der Menge der Kunstliebhaber wirkten wie drei grobklotzige Felstrümmer auf einer samtweichen Sofalandschaft.
Eine der drei war eine massige Erscheinung in abgewetzter Lederjacke. Kinnbärtchen und das Piercing in der Augenbraue waren nicht unbedingt eine Zierde für das fleischige Gesicht.
Die zweite Gestalt war hager; die Haare kurz und mit strengem Seitenscheitel nach hinten gegelt. Die linke Hand ruhte leger in ihrer Hosentasche, während sie mit der anderen auf eins von Yvis Bildern zeigte. Sie trug ein schwarzes Hemd mit roter Krawatte, die adrett in einer dunklen Weste verschwand, darüber ein schwarzes Jackett, das ein bisschen aus der Mode gekommen war.
Zwischen den beiden stand ein bleicher Knirps mit kurzen Haaren, die in der Mitte des Kopfes gerade nach oben ragten wie ein gut getrimmtes Rasenstück. Der etwas schief geratene Mund wurde konterkariert von einem offensichtlich angeklebten Oberlippen-Bärtchen. Über zerfetzter Armyhose und Nietengürtel trug er ein schwarzes T-Shirt mit dem Schriftzug ›DRAG KINGDOM‹. Das ›A‹ war mit einem Kreis umschlossen und stand somit für Anarchie.
Es waren alte Bekannte, die Lale schon lange nicht mehr gesehen hatte. Eigentlich waren es eher Freunde ihrer großen Liebe Hanna gewesen und sie verspürte keine Lust, heute Abend in die Hände von streitlustigen Dragkings zu fallen. Dragkings sind Frauen, vorwiegend Lesben, die mit der ihnen zugeschriebenen Rolle nicht einverstanden sind. Aus diesem Grund verstehen sie ihren Alltag als einen täglichen Kampf. Man hütete sich besser vor ihnen, wenn man nicht in endlose Diskussionen um Postfeminismus verwickelt werden wollte. Lale schwante nichts Gutes, sie verabschiedete sich rasch von Yvi und wollte sich aus dem Staub machen.
Die Flucht misslang. Kaum hatte sie sich umgedreht, schnarrte eine Reibeisenstimme neben ihr: »Hi Lale! Dachte ich mir doch, dass du hier auftauchen würdest.«
»Hallo Kim!« Lale verzog den Mund zu einem gequälten Lächeln. »Schön, dich mal wieder zu sehen«, log sie.
Der Knirps, von Kim fest im Griff gehalten, piepste in einer Tonlage, die in einem immensen Gegensatz zu seiner anarchistischen Aufmachung stand: »Ist ja ne endkrasse Veranstaltung hier. All die feinen Leute, die hier bei Schnittchen und Prosecco abhängen, um sich Bilder von nackten Frauen anzugucken.«
Na bitte. Schon waren sie beim gefürchteten Lieblingsthema angekommen. Lale wandte sich der Person neben ihr zu, um nicht auf die Provokation eingehen zu müssen. Sie wusste, dass sie eine Frau vor sich hatte. Aber niemand der anderen Gäste hätte angesichts des kahlrasierten Schädels darauf auch nur einen Cent verwettet. »Tach, Vera. Was treibt dich hierher?«
»Ich heiße jetzt Nick.«?
Lale riss die Augen auf. »Seit wann das?«
»Du warst lange nicht in der Szene. Ich engagiere mich jetzt im Kingdom of Cologne. Endlich habe ich meine Identität gefunden. Das ist befreiend, weißt du? Von daher auch ein neuer Name. Gehört einfach dazu.« Lässig schob sie ihren Kaugummi von links nach rechts. »Demnächst beginnt die Hormonbehandlung, die ich endlich durchgekriegt habe.«
»Oh«, machte Lale.
»Ich freue mich schon darauf. Dann wird endlich ein richtiger Mann aus mir. Mit echtem Bart und tiefer Stimme und so.« Breitbeinig stellte sie sich in Popeye-Positur und ließ ihre Muskeln spielen.
»Ich finde, du wirkst auch jetzt schon sehr echt«, sagte Lale verhalten. Sie stand nicht auf Frauen, die so taten, als ob sie Männer wären. Hanna und sie waren ein Gesellschafts-konformes Frauenpaar gewesen. Eher so in der Art wie die Fernsehmoderatorin Anne Will und ihre Lebensgefährtin. Nicht auf den ersten Blick als sogenannte Kampflesben zu zu erkennen, sondern durchaus feminin, langhaarig und im klassischen Sinne hübsch. Wenn Lale eine Frau liebte, dann, weil sie eine Frau war. Nicht, weil die so tat, als sei sie ein Mann. Ihre Definition von einem ›richtigen Mann‹ sah anders aus. Das Dragqueen- und Dragking-Gehabe mochte reizvoll sein, aber für Lale gab es nur ein klares entweder oder. Wenn sie die Wahl hatte zwischen einer maskulinen Frau und einem echten Mann, dann gab sie klar dem Kerl den Vorzug. Hanna und sie hatten sogar einmal eine Nacht mit einem Mann zu dritt verbracht. Für Lale war damit ein Traum in Erfüllung gegangen. Im Moment zog sie es vor, das Thema zu wechseln. »Wie gefällt dir die Ausstellung?«
»Ich wollte Yvi meine Anerkennung zollen, auch wenn so manches hier meinen Geschmack nicht ganz trifft.« Vera-Nicks scharf gezeichnete Nasenflügel blähten sich missbilligend.
»Sprichst du von den Bildern oder von den Leuten?«
»Ich spreche von der Kunst; einmal abgesehen davon, dass es hier kein Kölsch gibt. Ich finde, dass Yvi zu sehr das neosexistische Klischee bedient. Der patriarchale Blick sollte sich für eine Künstlerin in unserer Zeit überlebt haben.«
Jetzt musste Lale doch Partei ergreifen. Impulsiv erwiderte sie: »Die Modelle,  die Yvi wählt, entsprechen wohl kaum dem gängigen Barbiepuppen-Klischee. Sie sind üppig, kraftvoll und weiblich. Oder ist es eben diese Weiblichkeit, die dich stört?«
»Die Perspektive ist sexistisch«, mischte Kim ein. Sie deutete auf einen Akt, der aus der Vogelperspektive gemalt war. »Hier wird die Frau als Opfer dargestellt!«, behauptete sie.
Lale verdrehte die Augen. »Du verwechselst Hingabe mit Opferung.«
»Gegen Hingabe ist nichts einzuwenden. Die Unterwerfung, die hier zu sehen ist, stört mich gewaltig.«
»Was wäre, wenn sie real vor dir läge? Würde dir das nicht gefallen?«
Ein Anflug von Röte huschte über die kantigen Züge von Kim. Hastig trank sie einen Schluck Prosecco und begann prompt zu husten. Der Knirps klopfte ihr auf den Rücken und pflichtete bei: »Ich finde auch, dass der heterosexuelle Blickwinkel insgesamt zu sehr betont wird.«
»Yvi ist heterosexuell«, gab Lale zu bedenken.
Eine kleine Pause trat ein, in der alle vier diese ungeheuerliche Erkenntnis auf sich wirken ließen.
»Sie wird sich nicht von der patriarchalen Wahrnehmung lösen können«, beharrte Kim, während sie ihre schmale Freundin wieder umklammert hielt.
Lales blaue Augen blitzten auf. »Das Patriarchat ist leider noch nicht beendet, wie du vielleicht bemerkt hast.«
»Wäre doch viel geiler, wenn solche Kunst in einem reinen Frauenzusammenhang gezeigt werden könnte.«
»Und vorher durchlaufen sie eine Jury, die jedes Bild auf seine feministische Korrektheit überprüft, oder wie? Einmal abgesehen davon, dass die arme Yvi dann verhungern müsste, weil die meisten Sammler nun mal Männer sind.«
»Das ist lange noch kein Grund, sich bei den Typen anzubiedern«, sagte Kim von oben herab.
Lale geriet allmählich in Rage. »Ich glaube, ihr kommt einfach nicht damit klar, dass hier wirklich weibliche Erotik zu sehen ist. Steht ihr denn nun auf Frauen, oder nicht? Oder ist es zu viel für euch, wenn eine Frau echte Weiber malt? Diese Bilder schaffen einen neuen Blickwinkel. Wenn ihr zu verbohrt seid, um den zu sehen, dann ist euch nicht zu helfen. Mir jedenfalls gefallen die Akte sehr gut. Ich brauche keine Schubladen. Ich finde sie einfach sexy.«
Um Beherrschung ringend drehte Lale sich um und tauchte in der Menge der übrigen Gäste unter. Jetzt hatte sie sich doch geärgert, obwohl sie geahnt hatte, welche Art von Diskussion es geben würde, wenn sie sich auf das Trio einließ.
Sie nahm sich noch ein Glas Prosecco und schlängelte sich durch die Besuchergruppen. Es war stickig geworden hier drin. Oder war es ihr Ärger, der ihr die Atmosphäre noch wärmer erscheinen ließ?
Um sich wieder zu beruhigen, schlenderte sie durch die vornehmen Räume und ließ die Kraft der Bilder auf sich wirken. Schöne starke Frauenkörper, mit lockeren Pinselstrichen modelliert, erzählten von Sinnlichkeit und Hingabe, nicht von Unterwerfung. Die Farbintensität erzählte von Lebensfreude, da gab es nichts hinein zu interpretieren, fand Lale.

Die Galerie war groß, in den hinteren Räumen verlief sich die Menge und sie bekam wieder Luft zum Atmen und Platz für Erinnerungen.
In einem weniger belebten Raum blieb sie vor einem Bild stehen und betrachtete es. Sie selbst hatte dafür Modell gesessen, damals, als Hanna noch lebte. Vor ihrem inneren Auge erschien die Szene, als sie nackt in Yvis Wohnung herumgeturnt war auf der Suche nach der perfekten Pose. Hanna war dabei gewesen und hatte sie und Yvi mit Sekt und witzigen Sprüchen bei Laune gehalten. Sie hatten viel Spaß miteinander gehabt und die subtile Erotik genossen, die das Aktzeichnen mit sich brachte.
Lale hatte diese unbeschwerten Momente in ihrem Herzen bewahrt; der Schmerz über das unwiederbringlich Vergangene verlor allmählich seine Schärfe. Das wurde ihr klar, während sie das Bild betrachtete. Sie entspannte sich.
Heute war ein guter Tag. Den würde sie sich auch nicht von dem einseitigen Blickwinkel der politisch überkorrekten Mannweiber verderben lassen. Pah! Überhaupt war es ein guter Sommer. Zum ersten Mal, seitdem Hanna gegangen war, spürte sie die unbändige Kraft des Lebens und freute sich daran. Es war wie ein Erwachen aus langem Schlaf.
Unvermittelt wurde sie aus ihren Gedanken gerissen.
Da war etwas.
Ein fremder lustvoller Geruch stieg in ihre Nase.
Ein männlicher Duft, durchaus angenehm und nah, sehr nah. Jemand stand direkt hinter ihr. Sie wollte sich umdrehen, um zu sehen, wer es war.
Eine dunkle Stimme kam ihr zuvor. »Dreh dich nicht um. Schau weiter auf das Bild.«
Es war fast ein Befehl, aber behutsam vorgebracht. Irgendetwas im Klang der Worte zog Lale in ihren Bann. »Hör zu, was ich dir zu sagen habe. Ich bin deiner Spur gefolgt. Eine Frau, die so himmlisch duftet, zieht mich magisch an.«
Lale verharrte und starrte auf das Bild vor sich, ohne davon länger Notiz zu nehmen. Was fiel dem Kerl ein? Als emanzipierte Frau sollte sie sich umdrehen und ihm eine kleben. Aber diese Stimme setzte ein Kribbeln in Gang, das sich langsam in ihrem Körper ausbreitete. Und es war stärker als ihr Verstand.
»Bleib so stehen und hör mir zu. Ich habe dich sofort wahrgenommen, als du hereingekommen bist. Dein Duft ist unwiderstehlich. Ich musste dir folgen. Du bist eine atemberaubende Frau. Eine heiße Frau, die kein Höschen trägt …«
Lale stockte der Atem. Wie konnte er das wissen? Sie hatte sich zuhause vor dem Spiegel vergewissert, dass ihr Kleid nichts durchscheinen ließ.
»Einer sinnlichen Frau wie dir gebührt Anerkennung.« Sacht legte sich eine Hand auf ihren Po und streichelte ihn. Lale fand das nicht respektvoll, erhob aber keine Einwände gegen seine Berührung. In ihr tobte ein Zwiespalt. Sollte sie diese unerhörte Anmache beenden? Sie mochte es sich nicht eingestehen, aber es erregte sie, dass der Unbekannte ohne Umschweife zur Sache kam.
Er atmete geräuschvoll durch die Nase ein. »Ich kann riechen, dass es dir gefällt, schöne Unbekannte.«
Sie neigte den Kopf leicht zur Seite, und bot ihm auf diese Weise ihren Nacken dar. Sie spürte seinen Atem ganz dicht an ihrem Hals. Sie war wie hypnotisiert von der Stimme und genoss den Kitzel, den sie in ihr auslöste. Die Hand an ihrem Po streichelte weiter. Lale schloss die Augen.
»Du bist unwiderstehlich.« Eine zweite Hand kam hinzu, berührte sie an der Taille, tastete sich vorsichtig zu ihrem Bauch. Dann hielt er inne. »Gefällt dir, was ich mit dir tue?«
Lale sagte nichts. Sie spielte das Spiel mit und drehte sich nicht um. Zu erregend war es, eine lang gehegte unausgesprochene Phantasie in Erfüllung gehen zu lassen und sich einem Unbekannten hinzugeben. Lale spürte durch den Stoff ihres Kleides deutlich sein männliches Begehren. Sie nickte.
»Soll ich lieber aufhören?«
»Es gefällt mir«, hörte sie sich flüstern. Nein! Hatte sie das wirklich gesagt?
Seine Hände setzten ihr erregendes Spiel fort. Ihr Schoß drängte sich seinen Berührungen entgegen. Sein Becken schmiegte sich sacht gegen ihren Po und sie verschmolzen für eine kleine Weile in einem Tanz, dessen Musik nur für sie beide hörbar war.

Auszug aus: Lucia Schwarz. „Sie kann auch anders.“